Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

WEITER   ZURÜCK

a. Gegensatz zum Hausteinbau im Allgemeinen.

Wenn dem Backstein das Recht zugestanden werden soll, eine eigenthümliche, selbständige Bauweise, einen besonderen Styl zu gestalten, so kann dieser Anspruch nur auf die Eigenartigkeit des Backsteins als Material gestützt werden. Es wird dann aber zunächst die Frage zu erörtern sein, ob denn ein Baumaterial überhaupt als solches stylbildend auftreten könne. — Um hierauf Antwort zu geben, möge es gestattet sein, eine kurze allgemeine Betrachtung vorauszuschicken.

Die Baukunst soll sichere, gegen Wind und Wetter schützende, für den Aufenthalt geeignete gesunde, endlich dauerhafte und haltbare Räume herstellen. Daß dieser Zweck erfüllt werde, ist Hauptsache; welcher Mittel man sich dazu bedient, ist zunächst gleichgültig. — Ob ein Haus aus Erde oder Stein, aus Holz oder Metall oder aus sonst einem Materiale gebaut ist, danach fragen wir nicht, wenn es nur unseren Bedürfnissen nach allen Richtungen hin genügt. Nach den zu erreichenden Zwecken wenden wir verschiedene Materialien an, und ist Alles gut und fest, dicht und dauerhaft, so sind wir zufrieden.

Wir stellen aber noch eine zweite Anforderung: Das Bauwerk soll sich zu einem Kunstwerke erheben, seine Formen sollen im Gewande des Schönen hervortreten, der Gedanke seines Daseins soll sich in der ganzen Erscheinung des Werkes der Empfindung des Anschauenden darstellen. — Da entsteht die Frage, ob das Material, aus welchem ein Kunstwerk gebildet ist, auch für die ästhetische Geltung des letzteren irgend eine Bedeutung beanspruchen darf.

Zunächst, so wird die Antwort lauten, wohl nicht. — Der Gedanke eines Bauwerkes drückt sich vorerst nur in seinen Formen, in gewisser Weise auch in seinen Farben aus. Aus welchem Materiale aber die Formen gebildet sind, übt auf die ästhetische Wirkung keinen Einfluß nur die Formen selbst reden. — Ob ein Balken aus Stein oder Holz oder Eisen bestehe: sobald aus jedem dieser Materialien nur dieselbe Form hergestellt ist, bleibt auch der Eindruck derselbe. Indessen tritt doch hierbei alsbald noch ein anderes Moment in Geltung. Man kann allerdings aus verschiedenen Materialien dieselben Formen herstellen, aber sobald man rationell verfahren will, muß man berücksichtigen, daß die natürlichen Eigenschaften der verschiedenen Materialien diese oder jene Modification der Form erfordern, damit das Werk in allen Theilen verständig, zweckentsprechend und haltbar gestaltet sei. (Ein Balken von Stein wird andere Abmessungen in Breite, Höhe erhalten, als ein solcher von Holz oder gar von Eisen; eine Säule von Stein wird in anderen Verhältnissen herzustellen sein, als eine solche von Eisen etc.) — Hierbei zeigt sich also bereits ein bedeutsamer Einfluß des Materials auf die Form. Um nun diese Modification zu rechtfertigen, wird es, namentlich dem feinsinnigeren Beobachter gegenüber, erforderlich, daß man die Ursache dieser Modification nicht verberge, und dies läßt sich in keiner anderen Weise bewirken, als daß man das Material als solches in die Erscheinung treten läßt. Aber es wird dies nur dann nothwendig werden, wenn die Modification der Form wirklich eine bedeutende, für die Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit, überhaupt für den Zweck des Gebäudes und für die Erscheinung desselben wichtige ist.

Die für unsere massiven Bauwerke gebräuchlichen Baumaterialien sind: natürlicher Stein, Ziegel, Mörtel (letzterer in sehr verschiedenen Zusammensetzungen aus Kalk, Gyps, Cement etc.). Für manche bauliche Zwecke können diese Materialien einander vertreten, und namentlich gilt dies für viele besondere Formen, Gesimse, Einfassungen, Stützen etc. — Wo verschiedene Materialien in gleich guter Weise den selben Zweck erfüllen, da fragen wir nicht nach dem Materiale selbst und verwenden dasjenige, welches sich am leichtesten beschaffen, am bequemsten behandeln läßt. So kommt im Inneren der Gebäude die Wetterbeständigkeit des Baumaterials nicht in Betracht und aus diesem Grunde sind daselbst verschiedene Materialien gleich gut anwendbar. Deshalb fragen wir nicht danach, ob die inneren Wände von Holz oder Stein hergestellt sind, ob der Wandputz aus Kalk oder Lehm besteht, ob die Gesimse, Deckenverzierungen etc. aus Gyps oder Steinpappe, aus gebranntem Thon oder Stein gemacht sind. Jedes Material thut eben ziemlich denselben Dienst, ist uns daher genug, wenn nur die Formen da sind, welche die verlangte architektonische Wirkung hervorbringen. —

Anders verhält es sich jedoch am Aeusseren der Gebäude, wo von dem Baumateriale kräftiger Widerstand gegen die zerstörenden klimatischen Einflüsse verlangt werden muß. Das bequemste Baumaterial, der Mörtel, der Stuck, welcher im Inneren der Gebäude eine unumschränkte Herrschaft ausübt, darf hier nur mit vielfachen Einschränkungen angewendet werden. Besäßen wir ein Stuckmaterial von absoluter Festigkeit und Wetterbeständigkeit, so würde unser Gefühl in dieser Beziehung für das Aeußere der Gebäude ebenso tolerant sein, wie für das Innere. Da wir aber bis jetzt noch keinen Stuck, keinen Mörtelüberzug kennen, von welchem wir mit Sicherheit wissen, daß er unserem nordischen Winter auf die Dauer zu widerstehen vermöchte, so sind wir gezwungen, an wirklich monumentalen Bauwerken Stuck und Mörtel von der architektonischen Formenbildung für das Aeußere der Gebäude auszuschließen und anstatt dessen zuverlässigere Materialien in Anwendung zu bringen. — Aber der Beschauer will sich durch eigenen Anblick davon überzeugen, daß dies wirklich geschehen sei, d.h. er will sehen, welches Material verwendet ist, und nichts macht auf ihn einen unangenehmeren Eindruck, als die Entdeckung einer Täuschung. — Unsere erfindungs- und surrogatenreiche Zeit liebt es sehr, ein besseres, festeres Material in Farbe und Form zu imitiren oder den Charakter des Materials unter der neutralisirenden Hülle eines gleichmäßigen Farbenanstriches zu verbergen. Findet das Letztere statt, weiß der Beschauer deshalb nicht, welches Material er vor sich sieht, so giebt dies eine beunruhigende Unsicherheit in der Beurtheilung, zeigt sich aber durch eingetretene Beschädigungen, daß einem schlechteren Materiale das Aussehen eines besseren gegeben worden war, dann gewinnt das beschämende Gefühl, getäuscht zu sein, die Oberhand, und gar schnell ist man dabei, dem Architekten den Vorwurf der Lüge, des Truges entgegenzuwerfen.

Die Empfindung des Wahren hängt eben unleugbar innig mit der des Schönen zusammen, und wo man sich im Verlangen nach Wahrheit getäuscht sieht, da ist auch der Genuß des Schönen zerstört. — Ebenso mag dies als ein auffälliger Beleg dafür gelten, wie die Empfindung des Schönen mit der Erkenntniß des Zweckmäßigen Hand in Hand geht.

Es treten aber noch andere Rücksichten in den Vordergrund, um die Bedeutung des Materials für die ästhetische Erscheinung eines Bauwerkes zu begründen. In der Kunst ist es nämlich ebenso, wie im Leben. Wie der Mensch in all seinem Thun eines gewissen Zwanges bedarf, einen steten Kampf um sein Dasein führen, Geist und Körper fortgesetzt in Thätigkeit erhalten muß, wie nur in dem Ringen mit den feindlich ihm entgegentretenden Kräften die eigene Kraft sich stählt und "erst in der Beschränkung sich der Meister zeigt", so hat auch der Künstler fortwährend gegen widerstreitende Naturmächte zu kämpfen. Unter diesen nimmt das Material nicht die letzte Stelle ein, ist für den Architekten sogar von ganz besonderer Bedeutung; und das Material muß Widerstand leisten, muß die Thätigkeit des Künstlers in gewissen Schranken halten: solche Beschränkung erhält die Phantasie in lebendiger Thätigkeit und steigert die Intensität des schaffenden Geistes. — Ein Material, welches gleichsam willenlos sich zu Allem brauchen läßt, aus welchem man alle möglichen Formen ohne Mühe herstellen kann, vermag nicht die Grundlage einer mustergültigen Formenbildung zu werden. In Gyps, Stuck, Steinpappe bildet sich kein Styl; bei Bearbeitung solcher Stoffe verliert sich die Phantasie zu leicht in das Ueberschwängliche, Maaßlose, oder sie wird gar nicht kräftig zur Thätigkeit angeregt; es fehlt der feste Angelpunkt, von welchem die schaffende Kraft ausgehen, auf welchen sie wieder zurückkehren kann. (Eine Form wie die hellenische Stroterendecke, wie das gothische Kreuzrippengewölbe wäre sicherlich nie entstanden, wenn Gußmörtel das ursprüngliche Material für Raumüberdeckungen gewesen wäre.)

Auf der anderen Seite, wie im Leben überhaupt der Widerstand nicht unüberwindbar sein darf, wenn die Kraft erhalten bleiben, nicht hinsterbend unterliegen soll — so darf auch in der Kunst das Material nicht so hart und spröde sein, daß es einer Formgebung überhaupt widerstrebt. In hartem Granit, in Grünstein oder Porphyr läßt sich ebenso wenig ein Baustyl ausbilden, wie in Stuck und Steinpappe. Das Material muß sich der Hand des Künstlers fügen, aber es muß gewissermaaßen sein eignes Recht geltend machen gegenüber der Laune und Willkür des Bildners. Das Material muß sich gestalten lassen, muß gestatten, daß bedeutungsvolle Architekturformen daraus gebildet werden. Ist es zu hart, so zwingt es zur Beschränkung auf die einfachsten Formen, läßt Leben und Bewegung nicht aufkommen. Bietet das Material sich dagegen nur in kleinen Stücken dar, welche zu größeren Formen zusammengesetzt werden müssen, so gelingt es nicht, würdige, große Formen herzustellen; in jenem Falle verarmt die Phantasie aus Mangel an Bethätigung, in diesem wird sie zu grübelndem Sinnen und Speculiren gezwungen und verliert dabei ihre beste Kraft, den frischen, fröhlichen Außchwung. — Hieraus erklärt sich, weshalb der Stein, der sich zu Quadern behauen läßt, sei es körniger Marmor, dichter Kalkstein oder Sandstein, vor allen anderen Baumaterialien den bedeutenden Vorzug bewahrt hat, stylbildend in der Architektur aufzutreten. Die Bearbeitung des Werksteins erfordert Ueberlegung und Anstrengung, aber der Stein läßt sich bearbeiten; er giebt den Schlägen des Hammers nach, er folgt der Führung des Meißels, er gestattet die Herstellung großer, kräftiger Gliederungen ebenso wie die Ausarbeitung feiner Sculpturen, — aber er duldet nicht , daß gewisse Grenzen nach der einen oder anderen Seite überschritten werden, er verbietet das Ueberzierliche und Gekünstelte, hält dadurch die Phantasie des Künstlers in wohlthätigen Schranken und läßt ihr zugleich freien Spielraum, weit genug, um sich darin für die höchsten Aufgaben der Formengebung zu bethätigen.

Von ganz besonderer Bedeutung ist es, daß der Werkstein in einzelnen Stücken von solcher Größe breche, daß die architektonischen Gliederungen daraus in ihren Hauptformen ohne nachtheilige Zerstückelung zusammengesetzt werden können, nur dadurch ist eine edle und würdige Formengestaltung zu erreichen. Oder, mit anderen Worten: die Zusammenfügung aus Werkstücken ist es, was dem Bauwerke Charakter und Würde giebt; und in dieser Bedeutung ist der Haustein das eigentlich monumentale Baumaterial. Der Haustein kann aber durch andere Materialien vertreten und ersetzt werden, welche dieselben Bedingungen erfüllen; unter diesen treten zwei hervor, denen besondere Wichtigkeit beizulegen ist, der Kunststein und das Baustück aus gebranntem Thon.

Der Kunststein, ein aus Mörtelmasse (meist unter Zugrundelegung des Portlandcementes) bereiteter künstlicher Werkstein, ist in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung und Bedeutung ein Product der neuesten Zeit und hat die Bestimmung, vollständig als Surrogat des Hausteines aufzutreten. Es ist auch mit Sicherheit anzunehmen, daß er in dieser Weise große Wichtigkeit erlangen wird, sobald man erst im Stande sein wird, denselben wirklich und mit Sicherheit in gleicher Festigkeit und Wetterbeständigkeit herzustellen, wie den natürlichen Haustein. — Jedenfalls besitzt er vor den Arbeiten aus Mörtelstuck jeder Art den großen Vorzug, daß er seine Festigkeit nicht erst am Bauwerke selbst erlangen soll, sondern schon vor dem Vermauern fertig hergestellt ist, daß man also bereits vor seiner Verwendung im Bauwerke ein sicheres Urtheil über seine wirkliche Festigkeit gewinnen kann. — Indessen, da es bis jetzt noch nicht gelungen ist, Kunststeine mit Sicherheit so zu bereiten, daß sie in Bezug auf Festigkeit und Wetterbeständigkeit vollständigen Ersatz für den natürlichen Haustein bieten könnten, so muß es der Zukunft überlassen bleiben, festzustellen, welchen Einfluß dieses Material auf die Gestaltung der Architektur ausüben wird. Jedenfalls — das kann jetzt schon gesagt werden — wird die aus der Natur des Hausteines hervorgegangene Formenbildung dadurch nicht geändert werden, es wird ein Hausteinbau aus künstlich bereiteten Werkstücken sein.

Eine durchaus andere Stellung dem Hausteine gegenüber nimmt offenbar das aus Thon gebrannte Baustück ein. Dasselbe tritt ebenfalls mit dem Anspruche auf, den Werkstein zu ersetzen, dessen Stelle einzunehmen. — Es wird ebenso wie dieser bereits vor dem Vermauern fertig hergestellt, es kann auch mit voller Sicherheit fest und wetterbeständig hergestellt werden. Aber das Rohmaterial, aus welchem es gebildet ist, hat ganz andere Eigenschaften und verlangt eine vollständig andere Behandlung, als der Haustein. — Der gebrannte Thon kann deshalb ebenso wenig, wie Holz oder Eisen, ein in jeder Beziehung stellvertretendes Ersatzmittel für den Haustein werden und nimmt damit eine ganz andere Stellung ein, als der Kunststein. — Der gebrannte Thon wird allerdings zu gleichen oder ähnlichen baulichen Zwecken verwendet, wie der Haustein, aber es muß auf andere Weise, in anderen Formen geschehen. Der Backstein trägt etwas Eigenartiges in sich und macht dies auch dem Hausteine gegenüber geltend, er prägt diesen besonderen Charakter der gesammten Erscheinung des aus ihm errichteten Bauwerkes auf. — Es gelingt nicht, in Backstein, ohne demselben Zwang anzuthun, einen Hausteinbau zu imitiren, wie das mit dem Kunststeine geschieht, aber es ist möglich, etwas ästhetisch Eigenthümliches daraus herzustellen, und in dieser Eigenartigkeit liegt für den sinnigen Architekten ein ganz besonderer Reiz zum selbstthätigen Schaffen, denn es ist Veranlassung gegeben, sich von dem traditionellen Formenschema der Hausteinarchitektur zu emancipiren, neue Formenbildungen zu erdenken und einzuführen.

Es entsteht nun die Aufgabe, den Werth und die Bedeutung dieser Eigenthümlichkeiten darzulegen, und klar zu stellen, in welcher Beziehung der Backsteinbau — technisch wie ästhetisch — sich dem Hausteinbau gegenüber im Nachtheil oder im Vortheil befindet.

Die Hauptunterschiede beider Bauweisen werden sich in folgenden Punkten zusammenfassen lassen: Die Kleinheit der einzelnen Steine des Backsteinbaues bedingt eine hervorragende Wichtigkeit des Mörtels für die Verbindung der einzelnen Steine zu einem ungetheilten Ganzen; ein Vorherrschen der Fugen und damit ein ganz verändertes Gesammtbild des Baues. Aus derselben Veranlassung wird die architektonische Formenbildung eine durchaus veränderte. Der Farbenreichthum des gebrannten Thones gestattet die Wiedereinführung einer Polychromie in die Architektur des Aeußeren.

Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

WEITER   ZURÜCK

b. Die Fugen im Backsteinbau.

Ueberall, wo ein Ganzes aus einzelnen, für sich bestehenden Stücken zusammengesetzt wird, sind die Verbindungsstellen der Zusammenfügung erkennbar, bilden sich sichtbare Fugen. Bei leicht bearbeitbaren Materialien, wie Holz, können die Fugen sehr fein werden, so daß sie an sich gar nicht, sondern nur durch die Unterbrechung des Laufes der Holzfasern erkennbar werden. Bei Stein treten sie stets deutlicher hervor, selbst bei sehr sauber zusammengeschliffenen Marmortafeln ist dies der Fall. — Je deutlicher die Fugen zu erkennen sind, desto entschiedener markirt sich auch der von ihnen eingeschlossene Stein und unterscheidet sich von seinen Nachbarsteinen. Man wird daher sagen können, daß die Fugen den Stein individualisiren, ihn in seiner Besonderheit als einzelnen Theil des Baues hervor heben. Und zwar wird dies um so kräftiger geschehen, je breiter, tiefer und entschiedener die Fugen sich zeigen, je bestimmter also die einzelnen Steine gegen einander abgegrenzt sind. — Haben die Steine, aus denen eine Mauer zusammengefügt ist, an sich bedeutende Abmessungen, so ist es durch dieses Mittel möglich, die riesige Kraftanstrengung, welche erforderlich gewesen ist, um große, schwere Blöcke auf einander zu thürmen, auf das Schlagendste zur unmittelbaren Anschauung zu bringen. Sind dagegen die Steine glatt bearbeitet, aufeinander geschliffen, die Fugen möglichst wenig betont, so übersieht man die Scheidelinien zwischen den einzelnen Steinen und faßt das Gefüge nur in seiner Gesammtheit auf, schaut es als Einheit an, in welcher die einzelnen Steine als solche nicht mehr unterschieden werden.

Schon in frühesten Zeiten kannte und benutzte man außerdem noch ein besonderes Mittel, die Aufhäufung gewaltiger Steinkolosse durch Verstärkung der Fugen noch mächtiger und großartiger erscheinen zu lassen. Dieses Mittel besteht einfach darin, daß man die für die Lagerfuge nothwendige Bearbeitung der Steinflächen in einem schmalen Streifen auch rings um die Stirnfläche, die Schauseite des Steines, herumführte, die letztere im Uebrigen aber unbearbeitet ließ. Diese Umsäumung des Steines hebt ihn selbst ganz außerordentlich kräftig heraus und je weniger die Stirnseite selbst bearbeitet ist, desto sprechender erinnert sie an den Mutterschooß, dem der Stein entstammte, an den gewaltigen Felsen, aus dem er gebrochen wurde. — So wird also durch die Individualisirung des einzelnen Steines das Steinmaterial als solches zur Anschauung gebracht. Im Anblick des einzelnen schweren Quadersteines taucht vor dem Auge des Beschauers das Bild der Trennung und Bewegung des schweren Felsblockes lebendig auf und regt die Phantasie zum Stolz und zur Freude über die gelungene Bewältigung der widerstrebenden Naturmächte an. — Es darf hierbei nur an die kolossalen phönizischen Quadermauern erinnert werden, welche fast wie ein Product der Natur sich darstellen, als mächtige, steile Felsenwände, so gewaltig die einzelnen Quadern, daß man sich nur schwer an den Gedanken gewöhnt, schwache Menschenhände hätten diese Steinriesen gethürmt.

Die Hellenen, obgleich sie das phönizische Quadermauerwerk und die gigantische Wirkung desselben kannten, bedienten sich doch dieses effectvollen Mittels für ihre Bauwerke garnicht. Die Steine der hellenischen Bauten erscheinen in den Lagerfugen sehr glatt bearbeitet und mit der größesten Sorgsamkeit auf einander geschliffen, so daß die Fuge auf das möglichst geringe Maaß gebracht ist. Die Schauflächen der Steine in der Mauer sind glatt gearbeitet, die ganze Wandfläche soll als unterschiedlose Einheit wirken, ihre charakteristischen Symbole ziehen sich auf die Säume zurück. — Die Fugen sind vorhanden und erscheinen aber nur, weil sie der Construction wegen da sein müssen, weil sie sich nicht vermeiden lassen, es wird ihnen jedoch keine Aufmerksamkeit geschenkt, sie werden ästhetisch negirt. Und dies steht vollständig im Einklange mit der gesammten Kunstanschauung der Hellenen, welche nur die Form durch deutliche Symbole sprechen läßt, das Material aber nur als Materie kennt, die an sich keine künstlerische Berechtigung beanspruchen darf, um so weniger, als hellenische Bauwerke nicht durch ihre Massen, sondern nur durch die Wohlordnung ihrer Verhältnisse, durch Formenschönheit wirken sollen. Entgegengesetzt der hellenischen Anschauungsweise behielten die Römer den wohl altererbten Brauch des gequaderten Mauerwerkes bei, aber sie wandten die Quaderung hauptsächlich nur an den Substructionen oder Plinthen der Bauwerke an, ebenso zur Belebung und Charakterisirung großer und schwerer Mauermassen, wie solche durch die Gewölbeconstructionen vielfach bedingt werden.

Ist in der Quaderung der Mauerfläche die Erinnerung an den schweren, festen Felsen deutlich ausgesprochen, so verbindet sich mit dem Anschauen derselben auch die Vorstellung des Festgegründeten, des der dauernden Erde Angehörigen, daher selbst Dauernden, sicher und fest in sich Beruhenden; und darum ist kräftiges Quadermauerwerk für den Unterbau monumentaler Gebäude eine durchaus angemessene und berechtigte Erscheinungsform von wohlthuender beruhigender Wirkung.

Im gothischen Bau finden wir, was die Behandlung der Mauerflächen anbetrifft, wieder eine Annäherung an die hellenische Auffassungsweise. Zwar ist an eine so feine Behandlung der Mauerfläche, wie wir sie an den griechischen Bauten kennen, nicht zu denken; die Fugen sind deutlich sichtbar, aber nur, weil sie nicht fein genug gehalten wurden; ein besonderes absichtliches Hervorheben, ein Individualismen des einzelnen Steines findet sich auf der Höhe der gothischen Stylentwickelung nicht, weder an den Plinthen, noch an größeren Mauerflächen. Es entspricht auch dies wieder vollständig dem Ideengange des gothischen Stylgefühles. — Der gothische Bau wurzelt fest in der wohlgegründeten Erde, aber er verweilt nicht mit Wohlgefallen auf derselben, wie das antike Bauwerk, er sucht außtrebend ihr zu enteilen und, wie er die Massen auflöst, die Materie gewissermaaßen verflüchtigt, so kann er auch ein Symbol nicht brauchen, welches, dieser Tendenz widersprechend, die irdische Materie in der Vorstellung festhält, die Zusammengehörigkeit mit der Erde lebhaft empfinden läßt.

Dagegen sehen wir die Quaderung wieder mit vollstem Bewußtsein ihrer Bedeutung und Wirkung zur Geltung gebracht in den florentinischen Werken der Frührenaissance. — Kaum läßt eine lebendigere, ausdrucksvollere Darstellung des kriegerischen, trotzig auf die eigene Art und Kraft pochenden, streng und stolz gebietenden Sinnes der florentinischen Nobili sich denken, als er in den düsteren, schwer wuchtigen Steinkolossen der Paläste Pitti, Medici, Strozzi u. a. sich offenbart. — Wie mit Titanenfaust unter die Macht des menschlichen Geistes gebeugt, erscheint die starre, ungefüge Masse des Felsengebirges noch in ihrer ganzen Rauheit und Wildheit, aber gehorsam dem Gesetze der Schönheit, — ein fast berauschender Anblick! — Gemäßigt in der Wirkung, aber dennoch ernst und würdig erscheint die Quaderung, wenn auch die Schaufläche des Steines bearbeitet, die Fuge aber tief eingeschnitten ist, und in dieser Form sehen wir die Quaderung an allen größeren, vom Staate errichteten oder mächtigen, bevorzugten Persönlichkeiten dienenden Gebäuden, denen der Charakter des Festen, Dauernden aufgeprägt werden soll, bald im gesammten Mauerwerk, dann jedoch schwerer und massiger in der Plinthe und den unteren Stockwerken, bald zurückgezogen auf die Ecken des Bauwerkes, wie in einem festen, unzerstörbaren Rahmen die in bewegteren Formen entwickelte Facade zusammenhaltend. — In allmäliger Abstufung sehen wir die Quaderung zu leichterer, feinerer Erscheinung hin übergeführt, die Fugen schmal und flach, und der Ausdruck des architektonischen Gesichtes wird damit heiterer und freundlicher. — Je reicher die architektonischen Formen in Säulen und Pilastern, Gesimsen und Umrahmungen, Oeffnungen und Nischen sich gruppiren, je mehr die Mauerfläche dazwischen zurücktritt, desto leichter und feiner wird die Quaderung gestaltet, denn wo die feineren Kunstformen in freierer Bewegung vor das Auge treten sollen, da darf die schwere Masse des Materials sich nicht vordrängen.

Bietet sich in der Behandlung der Werksteinmauer sonach eine reiche Abstufung vom Schweren zum Leichten, vom Urkräftigen zum Zarten, vom Ernsten und Würdigen zum Heiteren und Anmuthigen, so erscheint dem gegenüber auf den ersten Blick die Ziegelmauer kahl und monoton. — Freilich, die Zahl der Fugen ist so bedeutend, und sie nehmen einen so großen Raum ein (etwa ¼ der gesammten Fläche), daß es nicht möglich ist, sie zu ignoriren; sie machen sich mit Gewalt geltend, sie sind nicht zu unterdrücken, sie müssen für das Allgemeinbild in Betracht gezogen werden. Die Wirkung der Fugen im Ziegelmauerwerk scheint aber fast in die Negation umzuschlagen. Sie verselbständigen den einzelnen Ziegel, indem sie ihn von den anderen scharf abtrennen, aber der kleine Ziegel hat in seiner Einzelheit keine Bedeutung für das Auge; nur in der Gesammtheit kann er wirken und diese wird durch die zahlreichen Fugen zerschnitten. Eine Abstufung, wie im Quadermauerwerk, ist nicht möglich, denn die Ziegel sind durchweg von derselben gleichen Kleinheit und eine Erweiterung oder Verengung der Fugen würde, auch wenn sie praktisch zulässig wäre, sich doch in zu engen Grenzen bewegen, um für das Auge wirksam hervorzutreten.

Noch ein anderer Gesichtspunkt muß hier herangezogen werden. Eine einfache Quadermauerfläche erscheint ruhig, aber nicht leicht monoton, mögen tiefere und breitere Fugen die Tafel mit dunkleren Streifen durchziehen oder die flacheren und engen Fugen fast verschwinden; die dem Steine natürliche Streifung, wenn sie nicht zu grell auftritt, bringt einige Bewegung und Belebung, ohne den einheitlichen Eindruck zu verwischen. — Anders im Ziegelmauerwerk. — Selten zeigen die einzelnen Ziegel sich gleichmäßig in der Färbung, fast immer treten einzelne heller oder dunkler hervor, und scharf abgegrenzt durch die Fugen unterbrechen diese dann in unangenehmster Weise den einheitlichen Eindruck der Fläche, die sie unruhig bewegt erscheinen lassen. — Wird dies auch häufig durch die ausgleichende Patina, welche die Zeit mit Hülfe von Staub und Rauch über die Facaden legt, einigermaaßen ausgeglichen, so bleibt doch die Unruhe an neuen Facaden bestehen; im Uebrigen aber muß bemerkt werden, daß die Einwirkung der Zeit auf gut gebrannte Ziegel in dieser Beziehung eine viel geringere ist, als auf den meist poröseren Werkstein.

Indessen stehen uns doch Mittel zu Gebote, auch der Ziegelmauerfläche eine ausdrucksvolle, der Würde des Gebäudes angemessene Wirkung zu verleihen, wenn auch die reichere Abstufung nicht hergestellt werden kann, welche dem Quadermauerwerk eigen ist. — Um Ruhe in die Bewegung zu bringen, muß man die Bewegung zu einer regelmäßigen gestalten. Dies geschieht im Ziegelmauerwerk zunächst durch den regelmäßigen Verband. Indem man die Fugen nach einer strengen, gleichmäßig wiederkehrenden Regel anordnet, wird das Mauerwerk wie mit den Maschen eines Netzwerks übersponnen, die einzelnen Steinköpfe werden dadurch zugleich von einander getrennt und mit einander verbunden; die Unterschiede in der helleren und dunkleren Färbung der einzelnen Ziegelflächen zeigen sich dann, besonders wenn die Fugen eine dunklere Farbe erhalten, gemildert, wenn auch nicht beseitigt.

Gelingt es auf diese Weise, der Ziegelfläche eine einigermaaßen einheitliche Ruhe zu geben, so ist auf anderem Wege eine ähnliche Wirkung erreichbar, wie die Quaderung sie dem Werksteinmauerwerk giebt. Indem der Fugenverband die zahllosen einzelnen, gleich großen oder vielmehr gleich kleinen Ziegel deutlich markirt und dadurch das Charakteristische dieses Baumaterials prägnant hervortreten läßt, vermittelt er nicht zugleich, wie im Quadermauerwerk, den Eindruck des Ruhig- und Festgelagerten, welcher dem Gefühle des Anschauenden eine Gewähr der Sicherheit und gediegenen Haltbarkeit zu geben vermag. Dieser Eindruck ist jedoch durch ein anderes einfaches Mittel sehr wohl zu erlangen, nämlich durch eine Abwechselung hellerer und dunkler Ziegelschichten. — Es ist dabei jedoch ausdrücklich hervorzuheben, daß es sich hierbei um eigentliche Farben noch nicht handelt, sondern nur um hellere und dunklere Färbungen der Ziegel. — Wie im Quadermauerwerk die Lagerfugen, welche in ununterbrochener, stetiger Linie auf größere Längen sich hinziehen, auch wohl die ganze Längen- und Breitenausdehnung des Bauwerkes durchmessen, sehr viel entschiedener hervortreten, als die nach der Regel des Verbandes unterbrochenen Stoßfugen, wie sie als continuirliche Schattenstreifen die Fläche theilen, so bringen dunklere Ziegelschichten eine ganz ähnliche Wirkung hervor; die horizontale Schichtung, auf welcher in der That auch zum großen Theile der feste und sichere Zusammenhang der Mauermasse beruht, wird dadurch so recht greifbar vor die Augen geführt. — Dunkler gefärbte Ziegel lassen die Masse an sich schon ernster und schwerer erscheinen, aber der Eindruck des Festgelagerten wird noch erhöht durch den Wechsel hellerer und dunklerer, nahezu gleich breiter Streifen, wobei die einzelnen gleichfarbigen Lagen jedoch ziemlich breit gehalten und auch die helleren Streifen ziemlich dunkel hergestellt sein müssen. Leichter und freundlicher wird der Ausdruck, wenn schmalere und dunklere Streifen sich gegen eine hellere Fläche schärfer abgrenzen, nur dürfen sie dann eben nur als schmale Theilungsstreifen erscheinen; nehmen sie zu viel Fläche ein, so entsteht eine höchst unruhige zebraartige Streifung, deren widerwärtige Wirkung scharfen Tadel hervorzurufen geeignet ist.

Mit dem Wechsel breiterer heller und schmalerer dunkler Streifen soll jedoch keinesweges eine Nachahmung der Quaderung beabsichtigt werden. — Obgleich die Horizontalstreifen in ähnlicher Weise wirken, wie die Lagerfugen, so fehlt doch ein Ersatz für die Vertikalfugen; es ist dies viel mehr eine dem Ziegelbau eigenthümliche und der Natur des Ziegels angemessene Darstellungsweise, deren Wirkung nur auf dem Gegensatze der helleren und dunkleren Streifen beruht, wie man daraus ersieht, daß auch hellere schmale Schichten in dunklerem Mauerwerk eingelegt einen verwandten Eindruck hervorbringen. Dagegen ist dieses Verfahren auf Werkstein nicht übertragbar, erscheint dort gesucht und unnatürlich, wie die Abwechselung weißer und schwarzer Marmorquaderschichten an manchen oberitalienischen Domen zeigt, an denen die getadelte Zebrastreifung in grellster und widerwärtig den Gesammteindruck störender Weise durchgeführt ist.

Betrachten wir noch näher die Weise, wie Ziegelmauerwerk für das Auge des Beschauers zu behandeln ist, so drängt sich die Bemerkung auf, daß eine solche Streifung nur da am Platze ist, wo es sich um Darstellung einer Wandfläche handelt. Sobald das Ziegelmauerwerk nicht mehr als neutrale, ruhig gelagerte Wand auftritt, sobald es zum Pfeiler, zur Lisene gestaltet ist, sobald die Höhenrichtung in wirksamer Weise hervortreten soll, dann ist die Horizontalstreifung nicht mehr am Platze, und hierbei zeigt sich wiederum, daß sie etwas ganz Anderes ist, als die Quaderung, die auch an solchen Gebäudetheilen wohl anwendbar bleibt. Durch die Horizontalstreifung wird die Vertikalrichtung zerschnitten; wo diese daher betont werden soll, muß jene fernbleiben.

Auch andere Mittel sind uns an die Hand gegeben, um die monotonen Ziegelwandflächen zu beleben, auch ihnen, so zu sagen, ein freundliches Gesicht zu geben. Die Regelmäßigkeit des Verbandes dient auch hierbei wieder als Grundlage. — Haben wir das System der Fugen oben mit den Maschen eines Netzes verglichen, so erscheinen gleichzeitig die Ziegelköpfe wie die Stiche einer Stickerei, die ganze Fläche einem Gewebe ähnlich. Die Hellenen liebten es, in der Wand das Bild eines zwischen die Pfosten und Balken eines festen Gerüstes gespannten gewebten Teppichs zu charakterisiren. — Zu einer derartigen Darstellung, welcher die Quaderung des Hausteingemäuers widerstrebt, ladet der Ziegelverband geradezu ein, und die Wirkung ist eine durchaus günstige zu nennen, wenn durch Abwechselung hellerer und dunklerer Ziegelflächen Muster hervorgebracht werden, welche an Stickereien und Gewebe erinnern. — Es soll auch hier von eigentlicher Farbe noch nicht die Rede sein (obgleich diese Verfahrungsweise bereits als Oligochromie aufgefaßt werden kann und zur Polychromie hinüberführt), sondern nur von dem Contraste hellerer und dunklerer Ziegel. Es sind fast durchweg einfache geometrische Muster, die durch schräggestellte, horizontale und vertikale Streifen, durch Einsetzen einzelner hellerer oder dunklerer Ziegelköpfe gebildet werden, und die verschiedenen Arten des Ziegelverbandes gestatten einen nicht unbedeutenden Reichthum an Motiven. Der Effect einer geschickten derartigen Anordnung ist auch durchaus nicht zu unterschätzen; nur möge man sich hüten, in dieser oligochromischen Darstellung die zweite Farbe zu stark hervortreten zu lassen. Die Grundfarbe muß stets vorherrschen, die Zeichnung des Musters darf nicht zu klein sein, sonst wird die Fläche wieder unruhig und stört die Wirkung der plastischen Theile der Facade. Eine solche gewebeartige Behandlung der Ziegelmauer wird jedoch am besten an eingerahmten Wandflächen, (zwischen Lisenen, Pilastern, Pfeilern) angewendet, an den oberen Stockwerken, wo die Mauer nicht mehr als festgelagerte Masse wirken soll, wo sie vorzugsweise dem Zwecke des Raumeinschließens dient.

Eine derartige Darstellungsweise setzt aber auch eine durchaus exacte, saubere Ausführung voraus und zwar nicht blos der Maurerarbeit, sondern auch der Ziegel selbst. — Die Schichten müssen genau horizontal gemauert, der Verband sorgfaltig inne gehalten sein, die Ziegel selbst müssen in genau gleichen Abmessungen, mit geraden Kanten und scharfen Ecken gearbeitet sein, auch denselben Farbenton in völliger Gleichmäßigkeit zeigen. Denn durch das Muster wird die Aufmerksamkeit schärfer auf die einzelnen Schichten, die einzelnen Steine gelenkt; jede Unregelmäßigkeit, jede Fahrlässigkeit macht sich deutlicher bemerkbar. — Alles aber, was von Menschenhand gemacht ist, soll den Stempel der Ordnung, der Sättigung tragen, sonst wirkt es widerwärtig, unschön. Nur was die Natur hervorgebracht hat, darf mit den Zufälligkeiten der Natur behaftet sein; den Werken der Menschenhand verzeihen wir nur dann Ungeordnetes, wenn ein tieferer Gedanke dadurch zum Ausdruck kommt (wie in der Rustica, wo man die natürliche Rauhheit des Felsblockes zur Erscheinung bringt, um wirksam vor Augen zu führen, daß seine Urkraft unter den Willen des Menschen gebeugt ist). Krumme Stützen aber, schiefe Gesimse, wellig gemauerte Schichten, schlecht behauene Steine oder unordentlich geformte Ziegel sind nur Zeugen einer unordentlichen, die Natur nicht genugsam beherrschenden menschlichen Thätigkeit; sie lassen daher nur den Eindruck des Widerwärtigen zurück und wirken beschämend, indem sie an menschliche Schwäche und Unvollkommenheit erinnern. Jedenfalls muß die Ausführung stets eine solche sein, daß von dem nächsten Standpunkte des Beschauers aus die an sich unvermeidlichen Unvollkommenheiten nicht mehr zu erkennen sind.

Da es in der That aber mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, völlig tadellose Ziegel herzustellen, von genau gleichen Abmessungen, gerad- und scharfkantig, so liegt es nahe, nicht die gesammte Ziegelmasse, sondern nur die jenigen Ziegel, welche in der Außenfläche verwendet werden sollen, mit Aufwendung der größesten Sorgfalt herzustellen, also eine Ziegelverblendung anzubringen, auch wohl eine solche, welche in Richtung der Mauerdicke nicht die volle Breite der gewöhnlichen Ziegel erhält. Dagegen wird nichts einzuwenden sein, sobald nur der Verband nicht nachtheilig unterbrochen wird und die Verblendung in unlösbare Verbindung mit der Hauptmasse des Mauerwerks tritt. Ja, es wird eine solche Verblendung für eine feinere Ausführung um so mehr zu empfehlen sein, als es bei Herstellung der geringeren Masse möglich wird, auch der gleichmäßigen Färbung des Verblendziegeis die größeste Sorgfalt zu widmen, und dadurch die wohlthuende Wirkung der Mauerflächen ganz wesentlich zu erhöhen.

Im Vorstehenden ist auf die bewegter gestalteten Theile des Baues, auf Gesimse, Einrahmungen etc. keine Rücksicht genommen, blos die einfache Mauerfläche in Betracht gezogen. Aber hierbei schon zeigt sich ein wesentlich verschiedener Charakter des Backsteinbaues gegenüber dem Haustein, und es läßt sich dieser Gegensatz besonders bei der jenigen Ausführungsmethode beobachten, welche nur die reinen Wandflächen der Facade von Ziegeln, alle plastisch gebildeten Bautheile aber von Haustein herstellt. Man wird im Allgemeinen der Hausteinfacade eine größere Ruhe und Würde, einen ernsteren, strengeren Charakter zusprechen müssen, während die Backsteinwandflächen einen bewegteren freundlicheren Eindruck hervorbringen, ohne jedoch der Stattlichkeit und Würde des Bauwerkes Abbruch zu thun. Will man jedoch den Contrast beider Baumaterialien vollständig zur Anschauung bringen, so müssen solche Gebäude in Betracht gezogen werden, welche in allen Theilen von Backstein errichtet sind, denn gerade an den Gesimsen, Einrahmungen etc., den frei gebildeten Baugliedern offenbart sich der verschiedenartige Charakter des Backsteins und des Hausteins am auffallendsten, wie ja auch gerade diese Theile des Baues den Styl desselben hauptsächlich bestimmen. — Hierauf bezügliche Betrachtungen sollen uns nun mehr beschäftigen.

Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

WEITER   ZURÜCK

c. Die architektonische Formenbildung aus gebranntem Thon.

In dem historischen Theile dieser Abhandlung, bei Besprechung des deutsch-mittelalterlichen Ziegelbaues, wurde darzuthun versucht, wie man, veranlaßt einerseits durch die zerstörenden Wirkungen eines rauheren Klimas, andererseits durch die Mangelhaftigkeit der damaligen Technik in der Bearbeitung und im Brennen des Thones, sich gezwungen sah, für die architektonische Formenbildung lediglich Vollziegel zu verwenden, und wie man zu diesem Zwecke das gesammte bauliche Formensystem einer Umbildung unterwerfen mußte. Es wurde ferner bei Betrachtung der italienischen Backsteinarchitektur hervorgehoben, wie die bereits im klassischen Alterthum vielgeübte Methode, größere, hohle Baustücke herzustellen, wieder in Aufnahme kam und welche Wirkung dies auf die architektonischen Formen ausübte. — Diese beiden Behandlungsweisen werden nun näherer Betrachtung zu unterziehen sein, wenn es sich darum handelt, das Formensystem des Backsteins im Gegensatze zu dem des Hausteins darzulegen.

Das gesammte System der architektonischen Formen in allen Baustylen ist, wie bereits mehrfach berührt, auf der Grundlage des Hausteinmaterials entstanden und ausgebildet, im hellenischen Steinbalkenbau sowohl, wie im gothischen Gewölbebau. — Diese Formen suchte man zu jeder Zeit auch für den Backstein in Anwendung zu bringen, und veränderte sie nur dann, wenn die Natur des Materials der durch die Tradition vorgeschriebenen normalen Form widerstrebte. — So entstanden zunächst abgeleitete Formen, welche indessen allmälig Selbständigkeit gewannen. Neben ihnen aber entwickelten sich frei aus der Natur des Backsteins auch eigenartige Formen. Beide Formenreihen mit und in einander wirkend, geben dem Backsteinbau sein eigenthümliches Gepräge. Versuchen wir, diesem Entwickelungsgange zu folgen, so werden wir zunächst als charakteristischen Hauptunterschied zwischen dem Hausteinbau und Backsteinbau festhalten müssen, daß man, auch wenn mit hohlen Baustücken gearbeitet wird, immerhin sich auf die Verwendung kleinerer und namentlich kürzerer Stücke beschränken muß. — Es ist im technischen Theile dieser Abhandlung darauf hingewiesen, welchen Schwierigkeiten die Herstellung sehr großer Stücke aus Backstein unterworfen ist, wie leicht Werfen und Reißen sowohl beim Trocknen als auch im Brennprocesse eintritt, wie schwer es wird, sehr lange gerade Kanten herzustellen, wie man deshalb eine gewisse mittlere Größe in der Regel nicht überschreiten darf. Diese mittlere Größe, welche sich allerdings nicht streng in Zahlen aussprechen läßt, da sie nach der Art des verwendeten Thones und nach der Vollkommenheit der Technik bedeutenden Schwankungen unterworfen ist, bleibt doch auch für den Bau mit hohlen Stücken immer noch weit hinter den Abmessungen zurück, welche ein guter Haustein ohne Schwierigkeiten gestattet. Je geringer diese Größe, desto schärfer wird das Formensystem des Backsteinbaues mit dem des Hausteinbaues contrastiren, am schärfsten also die Bauweise, welche lediglich Vollziegel in Anwendung bringt.

Gehen wir nun, für die speciellere Betrachtung der historischen Entwickelung folgend, vom hellenischen Steinbalkenbau aus, so stellt sich sofort heraus, daß eine Uebertragung des constructiven Systems in den Backsteinbau von vornherein unmöglich ist, weil Balken sich in Backstein nicht herstellen lassen. Für die Raumüberdeckung müssen der Bogen und das Gewölbe in Anwendung kommen, und dadurch begründet sich ganz von selbst ein so bedeutender Unterschied in dem gesammten Wesen beider Bauweisen, daß eine Vergleichung zwischen Steinbalkenbau und Backsteinbau kaum möglich erscheint. — In der That knüpft sich historisch der Backsteinbau unmittelbar auch nicht an den Steinbalkenbau, sondern an den Bogen- und Gewölbebau an und die Vergleichung desselben mit dem Steinbalkenbau kann sich nur auf die Formengebung derjenigen einzelnen Bautheile erstrecken, welche aus beiden Materialien sich herstellen lassen, also auf Säule, Ante und Pilaster, auf Gurt- und Kranzgesimse, auf Friese, Einrahmung von Oeffnungen, Akroterien u.s.w. Da jedoch die gesammte Formenentwickelung der späteren Architektur, so entgegengesetzt sie sich auch in manchen Richtungen gestaltet hat, dennoch von den hellenischen Formen ausgegangen ist, so dürfen wir diese auch für die Betrachtung der Backsteinformen zum Ausgangspunkte nehmen.

Beginnen wir mit der Säule. — Eine Herstellung derselben in Vollziegeln ohne Stucküberzug wird kaum irgendwo gefunden, denn die breiten Horizontalfugen würden den Säulenschaft derartig zerschneiden, daß jeder Eindruck der Säule als einer aufstrebenden Stütze verloren ginge; die Rhabdosis des Schaftes ist in den niedrigen Ziegelschichten nicht darstellbar. — Säulen von gebranntem Thon lassen sich nur aus größeren hohlen Stücken herstellen, am besten so, daß der Schaft vom Fuße bis zum Capitell aus nur einem Stücke besteht.

Ueber die Weise der Herstellung ist im technischen Theile dieses Außatzes gesprochen und auf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, welche dabei zu überwinden sind. Es mag hier noch hinzugefügt werden, daß es wohl angänglich ist, den im Ganzen geformten, getrockneten und gehobelten Säulenschaft des bequemeren Brennens wegen in mehrere Tambours zu zerschneiden; aber man thut es gewöhnlich nicht, weil ganz geringe Unterschiede des Schwindens bei dem nachherigen Zusammensetzen sehr auffallend hervortreten und sich fast gar nicht verbergen lassen. — Es kommt noch dazu, daß größere hohle Säulenschafte, da man den Scherben doch nicht beliebig stark machen kann, nicht genügende Stützfähigkeit besitzen, um eine ihrer Größe entsprechende Last aufzunehmen. Man begnügt sich daher gewöhnlich, aus gebranntem Thon nur kleinere Säulen, und zwar den Schaft aus einem Stück, herzustellen, meistens an solchen Stellen, wo sie effectiv weniger Last zu tragen haben, wo sie mehr decorativ wirken. — Die eigentlichen Tragesäulen finden wir zu allen Zeiten und überall auch in Gebäuden, welche sonst durchaus den Backstein zeigen, aus dem festeren Haustein gearbeitet.

Anders verhält es sich mit Fuß und Capitell der Säulen. Diese können sehr wohl von Backstein hergestellt werden, ja derselbe eignet sich sogar ganz vorzüglich für die feinen und zarten Formen des jonischen, wie des korinthischen Capitells. Weder das eine noch das andere dürfte ursprünglich für die Ausführung in Stein gedacht sein, dazu sind einzelne Theile zu zart und zu dünn; dieselben weisen vielmehr auf Metall oder gebrannten Thon als ursprüngliches Material hin, und da der Metallguß das Thonmodell mit ziemlicher Sicherheit voraussetzt, so möchte die Herstellung in Thon die älteste sein. Das Brennen des Thonmodelles lag um so näher, als nur eine sehr mäßige Glut angewendet zu werden brauchte, um für das milde Klima des südlichen Europas und Vorderasiens der Masse genügende Haltbarkeit zu geben. Als selbstverständlich darf indessen angesehen werden, daß die Möglichkeit des Formens aus Thon und des Brennens aufhörte, sobald der Maaßstab ein so großer wurde, daß das Capitell nicht mehr aus einem Stücke sich herstellen ließ.

An Stelle der Säule tritt, wenn die Stütze aus Backstein hergestellt wird, der vier- oder achteckige Pfeiler, meist in kürzerer, schwererer Proportion, als die Säule, oder doch in einem bedeutenderen Umfange, als Säulen gewöhnlich hergestellt werden. Dann fällt die Quertheilung der Fugen schon weniger ins Gewicht, denn von dem Standpunkte aus, welcher die Auffassung des Pfeilers als einheitlich wirken den Bautheiles gestattet, verschwindet die Fugentheilung schon mehr gegen die ganze Masse. — Man wendet aber, um die Höhenrichtung im Gegensatze zu den Horizontalfugen schärfer zu betonen, häufig auch ein Mittel an, welchem wir noch öfter begegnen werden: man faßt die Pfeiler mit Kantenstäben ein, Rundstäben, welche mit dem Pfeiler aufsteigen und von den Seitenflächen durch tief einschneidende Kehlen getrennt sind, so daß diese eine scharfe Schattenkante bilden. Durch diese außteigenden, sehr bestimmt abgegrenzten Schattenkanten wird die störende Wirkung der Horizontalfugen paralysirt und gleichzeitig die Höhenrichtung entschieden hervorgehoben. — Daß dieses Motiv ein mittelalterliches ist, nicht aus der Antike stammt, braucht kaum erwähnt zu werden.

Die Ante und der Pilaster haben das Gemeinsame, daß ihr glatter (oder cannelirter) Schaft, wenig über die Wandfläche heraustretend, den Charakter des Stützens in ähnlicher Weise ausdrückt, wie die Säule. Die Höhenrichtung muß daher deutlich erkennbar und vorherrschend sich aussprechen. Im übrigen trägt der glatte Schaft den Charakter der Wand. In den Ziegelbau übersetzt, wird man daher versucht sein, den Pilaster ebenso wie die Wand aufzumauern. Durch die zahlreichen kräftig sich markirenden Horizontalfugen wird aber die außteigende Richtung derartig unterbrochen und zerschnitten, daß ein solcher Pilaster alle Wirkung verliert. — In der That sehen wir auch die römische Pilasterordnung in die Backsteinarchitektur niemals übertragen, auch deshalb wohl nicht, weil der horizontale Architrav sich nicht in Backstein übersetzen läßt. — Will man eine pilasterartige Mauertheilung durchführen, wobei Blendbogen an die Stelle der Architrave treten müssen, so ist man schon genöthigt, um die Pilaster und Bogen vom Grunde abzuheben, zu verschiedenen Färbungen zu greifen; es geht dabei aber die scharfe Trennungskante, welche im Haustein so fein und bestimmt wirkt, durch die zahlreichen Fugen immerhin verloren. — Capitell und Fuß der Pilaster und Anten können ohne Schwierigkeit aus gebranntem Thon hergestellt, auch aus einzelnen Stücken zusammengesetzt werden.

Soll eine Pilasterarchitektur in Backstein dennoch durchgeführt werden, so muß der Pilasterschaft nach Art des Hausteines aus größeren glatten Flächen, unter möglichster Vermeidung der breiten Ziegelfugen hergestellt sein. Dies würde sich durch eine Bekleidung mit glatten Kacheln bewirken lassen, sobald man im Stande wäre, die letzteren genügend zu befestigen. Indessen erscheint es doch bedenklich, eine solche Construction, deren Haltbarkeit vorzugsweise auf der Bindekraft des Mörtels beruht, am Aeußereu der Gebäude durchzuführen. In soliderer Weise würde es sich bewirken lassen durch eine Construction, welche zwar noch nicht im Großen ausgeführt ist, welche aber als durchaus rationell bezeichnet werden muß und sich jedenfalls zur praktischen Durchführung eignet, daher hier kurz dargestellt werden soll. Die in Deutschland üblichen Ziegelpressen produciren meistens einen Thonstrang, dessen Querschnitt der größesten Ziegelfläche entspricht. Derselbe wird durch Drähte, welche in Abständen, der Ziegeldicke entsprechend, eingespannt sind, in die einzelnen Ziegel zerschnitten. Setzt man nun ein Mundstück für Hohlziegel ein und schneidet dann den Thonstrang in größeren Abständen durch, so erhält man durchlochte Thonquadern, welche mit einiger Vorsicht sicher getrocknet und gebrannt werden können. — Diese anstatt der Kacheln eingemauert, vermögen in solider Construction größere glatte Flächen herzustellen. — Man kann solche Thonquadern, wenn die Presse danach eingerichtet ist, in verschiedenen Größen herstellen, so daß der einzelne Stein eine Höhe von 2 bis 4 gewöhnlichen Ziegelschichten ein nimmt. Zugleich greifen dieselben so tief in das Mauerwerk ein, daß ein fester Halt ihnen dadurch gesichert ist; auch besitzen sie vollkommen ausreichende Tragfähigkeit.

Als eine den Pilaster in gewisser Beziehung vertretende Form können die lisenenartig vortretenden Mauerpfeiler gelten, welche im Ziegelbau sehr häufig in Anwendung kommen. Sie tragen aber gänzlich abweichenden Charakter, indem sie mehr als selbständige Mauertheile wirken. Gewöhnlich reichen sie durch mehrere Geschosse bis an das Hauptgesims, oder sind unter demselben durch ein gurt- gesimsartiges Horizontalband, auch wohl durch Blendbogen mit einander verbunden. Soll in ihnen die Vertikalrichtung hervorgehoben werden, so geschieht es in ähnlicher Weise wie an den Mauerpfeilern, oder durch Einlagen von schmalen, senkrechten Farbstreifen, wie an der Bau-Akademie in Berlin.

Da im Bogenbau an Stelle des Architravs die sogenannte Archivolte getreten ist, wird zu erörtern sein, wie die letztere im Backsteinbau behandelt wird. — Als wesentlicher Unterschied stellt sich hierbei sofort heraus, daß im Steinbau die Radialfugen vollständig negirt werden, die gesammte Formenbildung nicht die geringste Rücksicht auf dieselben nimmt, so daß die Theilungskanten der Fascien, wie die Kymatieneinfassung ununterbrochen von einem Widerlager zum anderen laufen. — Anders im Backsteinbau. — Hier lassen die zahlreichen Radialfugen sich nicht negiren, sie treten so entschieden hervor, daß durch dieselben der Charakter des Bogens vorzugsweise bestimmt wird. Eine umlaufende Theilung des Bogens nach der Höhe der Wölbung läßt sich nicht bewirken, sobald, wie gewöhnlich der Fall, der Ziegelverband durch die Höhe des Bogens hindurchreicht; die so genannte Architravirung würde demnach nicht nur mit der Ziegelconstruction in Widerspruch stehen, sie würde auch gänzlich wirkungslos sein, weil die viel zu zahlreichen Radialfugen zu scharf in die Bogenlinie einschneiden würden, um eine nur wenig vortretende Kante deutlich erkennen zu lassen. — Mittelst der erst in neuerer Zeit üblich gewordenen Construction der übereinander gelegten Bogenringe könnte man nun zwar etwas der Architravirung Aehnliches constructiv darstellen; die Kanten würden aber, obgleich durch die Ringfuge unterstützt, auch nicht deutlich genug sich markiren. Indessen bieten sich verschiedene Mittel dar, um die stetig umlaufende Bogenlinie dennoch bestimmt und klar ins Auge fallend zu gestalten. — Das eine Mittel ist wiederum dasselbe, welches angewendet wird, um die Kanten des Pfeilers deutlicher hervorzuheben: der Rundstab auf der Kante. Derselbe wirkt nicht nur auf der Laibungskante sehr vortheilhaft, sondern auch auf der Vorderfläche der Archivolte, wo er, als Theilung in der Fläche angebracht, gewöhnlich feiner hergestellt wird. — Dieses Motiv, weiter ausgebildet, führt dann zu der mittelalterlichen Form der Archivolte und ergiebt ein vollständiges System von Rundstäben, zwischen denen dann die übrigbleibenden Bogenflächen vertieft und als Hohlkehlen gestaltet werden, indem gleichzeitig die Rundstäbe und Hohlkehlen, einer Abtreppung oder Abschrägung folgend, in die Mauerdicke eingelegt werden, so daß die untere Laibungfläche fast oder ganz verschwindet.

Wenn eine solche Folge von Rundstäben, scharfen Kanten und Hohlkehlen vermöge ihrer energischen Schattenwirkung auch sehr kräftig die geschwungenen Bogenlinien hervorhebt, so treten dabei doch immerhin die quereinschneidenden Fugen, namentlich wenn dieselben nicht sehr eng gehalten sind, noch ziemlich störend auf. Ihre Wirkung wird aber durch ein anderes Mittel aufgehoben. Nicht nur durch die einfache Linie vermag man eine bestimmte Richtung deutlich zu bezeichnen, sondern noch kräftiger und auffälliger durch eine Folge gleichartiger, die Richtung verfolgender Körper, die sich bestimmt von einander trennen, also durch die Reihe. — Eine solche Reihe erhält man, wenn dem Rundstabe auf der Kante eines aus Ziegeln gewölbten Bogens die Fugen noch mehr vertieft und verbreitert, die kurzen, der Ziegeldicke entsprechenden Cylinderstücke in Kugeln oder Ellipsoide verwandelt werden. Dann stellen die Ziegelfugen die Einschnitte zwischen den einzelnen Kugeln oder Perlen dar und die Perlenreihe wirkt vollkommen als fortlaufende Einheit. — Soll die Perlenreihe feiner gestaltet werden, so legt man deren zwei auf eine Ziegeldicke oder man legt Scheibchen zwischen die Perlen, wie im antiken Astragal. — Jedenfalls muß aber stets der Einschnitt tief gehalten werden, denn eine Kugel- oder Perlenschnur, deren einzelne Perlen wie an einander oder in einander gedrückt erscheinen, zeigt unentschiedene Formen und wirkt deshalb ungünstig. — Alle Varianten des antiken Astragals sind hier anwendbar und finden sich auch in der italienischen Backsteinarchitektur in der lebhaftesten Mannigfaltigkeit. Aber die Reihe braucht nicht, durchaus aus Perlen und Scheibchen zu bestehen, auch andere Körper können dieselbe bilden. Besonders, wenn die Grundform nicht ein Rundstab, sondern eine ebene Fläche oder eine flache Hohlkehle ist, sind andere Formen am Platze, welche sich ebenfalls zur Schnur oder Kette reihen lassen.

So finden wir häufig Quadrate und Rauten, mit den Spitzen ein ander berührend, zusammengereiht und das Band so gearbeitet, daß es kräftig heraustritt, der Grund vertieft liegt. In derselben Weise werden flache Scheibchen an einander gereiht, welche einander berühren, oder die Scheiben sind durchlocht und erscheinen als Ringe, welche dann wiederum zur Kette in einander greifen. Ist das Band breiter, so bilden sich die Kreise zu Rosetten aus, welche ebenfalls unmittelbar oder mittelst zwischengeschobener kleinerer Perlen an einander gereiht erscheinen. Der Uebergang von der Perlenschnur und Kette, zum gedrehten oder geflochtenen Bande vollzieht sich dann ganz naturgemäß und die verschiedensten Formen der gedrehten Heftschnur erscheinen in der Backsteinarchitektur ebenso, wie der geflochtene Torus in vollkommen realistischer Darstellung. — Endlich ist hier auch noch der gewirkten oder gestickten Binde nach dem Vorgange der antiken Tänia zu erwähnen, welche die Anwendung der verschiedenartigsten Muster gestattet, stets jedoch in der Weise, daß die Muster kräftig plastisch ausgebildet werden. Als das einfachste Muster ist hierbei wohl die scharf markirte regelmäßig wiederholte Querstreifung anzusehen, woran sich dann die Zickzacklinie und die mäandrischen Linienverschlingungen anschließen, wie solche sich in der Antike vorgebildet finden.

Als ein ferneres Motiv in der Umkränzung der Archivolten tritt die Nachbildung des antiken Kymation auf, in ganz kleinem Maaßstabe häufig als Reihung einfacher, glatter Dreiecke, an größeren Gliedern in der italienischen Backsteinarchitektur vollständig in der Form des sogenannten Eierstabes. Während die bisher genannten Formen sich als Nachbildungen antiker Vorbilder oder als freie Variationen antiker Motive darstellen, muß nun noch auf einen Cyclus von Zierformen aufmerksam gemacht werden, welcher als nicht entlehnt, sondern als original aus der Eigenthümlichkcit des Backsteins hervorgegangen anzusehen ist. Es sind dies die zahnförmigen und sägezahnartigen Reihungen aus Backsteinen, der Zahnschnitt und die Stromschicht, welche beide in vielfachen Variationen auftreten. — Man wird die Stromschicht nicht anders ansehen dürfen, wie als ein Bandmuster von scharfer Licht- und Schattenwirkung, eine Reihung schräg gestellter oder gelegter Ziegel, welche sich sehr einfach aus der Natur des Materials ergab; ebenso den Zahnschnitt, welcher ganz in der Fläche bleiben kann, so daß nur abwechselnd ein aufgestellter Ziegel etwas weiter zurück, der andere in die Bundflucht gestellt wird.

Das zweite Motiv aber kann noch weiter ausgebildet werden, indem eine Auskragung damit in Verbindung tritt, so daß die einzelnen zahnartig vortretenden Ziegel als Consolen weiter ausragende Bautheile tragen. Diesen beiden Motiven, welche an den Bogeneinrahmungen nur in sehr einfacher Weise, mit großer Mäßigung auftreten, werden wir weiterhin noch sehr vielfältig, in sehr charakteristischer und reicher Ausbildung begegnen. — Es sei aber über das Wesen derselben bereits hier eine allgemeine Bemerkung gestattet. Daß Constructionsformen, welche sich naturgemäß aus der Eigenthümlichkeit der einzelnen Baumaterialien ergeben, zugleich als Zierformen benutzt werden, ist ein uralter Gebrauch in allen Baustylen gewesen, und derartige Zierformen waren auch wohl die ältesten und ursprünglichen. Wir sehen solche Formen dann in den am feinsten und höchsten ausgebildeten Baustylen bewährt und als Schema fortgeführt, auch wenn die Construction des Bauwerks derartig geändert ist, daß dieselben keine structive Bedeutung mehr haben.

Solche Zierformen, welche in der ursprünglichen naiven Anwendung vorzugsweise die Bedeutung der Ausschmückung nach allgemeinen ästhetischen Grundsätzen haben, werden jedoch in der Darstellungsweise solcher Volker, welche sich durch eine besonders hohe Begabung für die Kunst auszeichnen, in ein neues künstlerisches Gewand gekleidet, in eine Bildersprache übersetzt, ebenso wie der Dichter die Gegenstände seiner Darstellung durch bildliche Vergleiche der poetischen Auffassung zugänglicher macht. So kleidet der Hellene die Formen seines Bauwerkes in Bilder, welche er sinnvoll dem mit Riemen zusammen gehaltenen, mit gewebten Teppichen umhangenen und überdeckten Zelte, welche er der ihm vertrauten Pflanzen- und Thierwelt entlehnt. Der ganze Bau wird ein lebendiges Bild der menschlichen Werkthätigkeit und der umgebenden Natur. Aber nicht alle Formen werden in diesen Kreis poetischer Bildersprache hineingezogen; manche behalten ihre ursprüngliche, aus der Eigenheit des Materials hervorgegangene Gestalt. Dazu gehört beispielsweise der jonische sogen. Zahnschnitt, die Geisipodes, deren Ursprung aus der Backsteinarchitektur bereits oben als wahrscheinlich bezeichnet wurde. —

Andere ähnliche Formen der Backsteinarchitektur, in dieser einfachsten Gestaltung wie in verschiedenartig variirter Wiederholung, vertragen ebenfalls keine Umdeutung, ebenso auch die sägezahnartigen Formen (Stromschichten.) — Mag es nun auch als ein Zeichen besonderer poetischer Begabung gelten, wenn die formlose Stütze zur Säule mit Rhabdosis, Spire und Capitell umgebildet, wenn der Balken als gespannte Fascie gedacht, wenn die vortretende Trennungskante zum Torus mit dem Conflictsymbole des Kymation, die Einfassung zum anthemiengeschmückten Saume, die Wandfläche zum kunstvoll gewebten Teppiche umgedeutet wird, so darf die schlichte Erscheinung der ursprünglichen Form nicht unbedingt als unkünstlerisch gelten, ebensowenig, wie die einfache und in ihrer Schlichtheit vielleicht recht tief das Gemüth erfassende, nicht mit vergleichenden Bildern geschmückte Erzählung von vornherein als unpoetisch verworfen werden darf. — Mag die mit reicher Kunstsymbolik geschmückte Darstellung auch als die höhere, wirkungsvollere gelten, so darf jener darum doch nicht der berechtigte Platz in dem Kreise der künstlerischen Formengebung entzogen werden. —

Aber Eines hängt diesen aus dem Material hervorgegangenen Formen an: daß sie eben nur in dem Materiale ausgeführt werden können, welchem sie angehören, daß ihre Nachbildung in einem anderen Materiale sich deshalb mehr oder weniger verbietet. Daher sind sie auch Zeugen eines bestimmten Materials und erinnern beständig an dieses schon durch ihr bloßes Erscheinen. Kehren wir nach dieser Abschweifung zurück zur Betrachtung der Bogen aus Backstein, so drängt sich die Beobachtung auf, daß hier ein großer Reichthum von Formen gegeben ist, mag man nun von dem antiken oder von dem gothischen Schema ausgehen; und in der That zeigt uns namentlich die italienische Backsteinarchitektur eine äußerst lebhafte Mannigfaltigkeit der Darstellung in diesen Formen. Hier hat sich die Kleinheit des Ziegels und die Vielheit der Fugen gerade als fruchtbar für die Erfindung zahlreicher neuer Formen ergeben. — Stellt man den Bogen aber aus größeren, hohlen Stücken her, welche mit engen Fugen scharf an einander passen, so ist allerdings eine größere Annäherung an die antiken Formen angebahnt und auch vielfach durchgeführt, aber man kehrte deshalb doch nicht zu dem beschränkten Formenkreise zurück, in welchem sich die antike Auffassung bewegt.

Besaß man einmal die Fülle der Formen, so wollte man sie nicht wieder entbehren, und in diesem Festhalten wurde man bestärkt durch die Leichtigkeit, mit welcher reichere Formen, namentlich Reliefformen sich in Backstein herstellen lassen. Wenn einmal das Modell gearbeitet ist, beansprucht das Herstellen der Form und das Ausformen der letzteren verhältnißmäßig nur wenig Arbeit, und ein reich gegliedertes Ornament verursacht nur sehr wenig mehr Mühe, als ein einfach glattes Stück, ganz abgesehen von den Kosten des Brennens, welche sich für Beide ganz gleich stellen, ja ein gewisser Reichthum der Detailformen verbirgt sogar häufig leichter die schwächste Seite des Baustückes aus gebranntem Thon, die Neigung zum Werfen. — Man vermag mit sehr geringen Mehrkosten ein reicheres, ansehnlicheres Bauwerk herzustellen, weil man nicht gezwungen ist, wie im Hausteinbau jedes Ornament für jede Wiederholung von Neuem einzeln und mit derselben Mühe, wie das erste, wieder aus dem harten Steine auszumeißeln. Dieselbe Eigenthümlichkeit des Backsteines, welche zu reichen Detailformen führt, giebt andererseits aber auch wieder Veranlassung, dieselbe Form möglichst oft zu benutzen, also dieselbe Gliederung öfter zu wiederholen. Gestaltungen, welche sich am Bau nur einmal finden, werden, im Backstein ausgeführt, verhältnißmäßig theuer, denn die Arbeit des Modellirens und des Herstellens der Form bleiben die selben, möge die letztere einmal oder hundertmal abgedrückt werden. —

Dies wird aber kaum als Mangel anzusehen sein, es wird dadurch der Gefahr einer zu weit gehenden Phantastik, zu welcher die leichtere Technik sonst leicht führen könnte, wirksam vorgebeugt; die Wiederholungen derselben Gliederungen bringen Ruhe und Rhythmus in die bewegte Fülle der Gestaltungen, ohne daß eine langweilige Eintönigkeit daraus zu erwachsen braucht. Ist das, was hier über die Behandlung der Backsteinbauformen gesagt wurde, hauptsächlich auf die Darstellung des Bogens bezogen, welcher sich von Stütze zu Stütze spannt, so gilt es in ganzem Umfange auch für die Bogen, welche Fenster- und Thüröffnungen überdecken, wie für die Einrahmungen von Oeffnungen überhaupt. Mag man hierbei von dem antiken Formenschema ausgehen, welches die Dicke der Mauer frei zeigt und die Umrahmung als der Wandfläche aufgelegt erscheinen läßt, mag man die gothische Bildungsweise zu Grunde legen, welche die Umrahmuug der Oeffnung als aus der Mauermasse herausgearbeitet, oder in die Mauerdicke eingelegt erscheinen läßt; in beiden Auffassungen kommt der Backstein den Anforderungen des Architekten willig nach. —

Die Einfassung des Bogens wird genau in der vorbeschriebenen Weise bewirkt. In den aufrecht gerichteten Seitentheilen werden entweder die Motive der Bogenumrahmung weiter geführt, oder es treten hier andere Formen ein. Halbsäule oder Pilaster lassen sich in größeren Backsteinstücken wohl anbringen, da beide an dieser Stelle nicht zu sehr bedeutenden Abmessungen anschwellen, auch wohl freiere Formen gestatten, als die strenge Säulenordnung. Ebensowohl lassen sich Gestaltungen nach Art der gothischen Dienste herstellen, nur dürfen die Schafte der letzteren nicht aus Ziegeln von gewöhnlicher Dicke auf gemauert werden, sondern müssen aus längeren Stücken bestehen. Die feinen Capitellformen der Dienste erscheinen ganz besonders geeignet für die Herstellung in Backstein. —

Der Formenreichthum, auf welchen bei Besprechung der Bogen hingewiesen wurde, tritt bei den Umrahmungen der Oeffnungen ganz in derselben Weise auf und trägt ganz besonders dazu bei, dem Backsteinbau den ihm eigenthümlichen Charakter zu verleihen. Reiche Fensterumrahmungen in der einfachen glatten Mauerfläche gereichen dem Gebäude zu besonderem Schmuck; und sie sind grade für den Backsteinbau in einer Mannigfaltigkeit und Formenfülle ausgebildet worden, welche sich im Hausteinbau fast niemals findet. Bekrönungen über dieser Umrahmung fehlen entweder ganz und werden auch bei einigermaaßen breiter Entwickelung der letzteren wenig vermißt, oder sie werden in der Weise des der Gesammtausbildung des Bauwerkes zu Grunde gelegten Styles ausgebildet. Schließt man sich dabei an die Formen der antiken Bauweise an, so bleiben die Gliederungen maaßgebend, von denen alsbald für die Gesimsgestaltungen die Rede sein wird; legt man dagegen die gothische Gestaltungsweise zu Grunde, Wimberge und Fialen, so sind alle diese Formen mehr reliefartig zu behandeln, müssen in festerer Beziehung zur dahinter liegenden Mauerfläche stehen, auch dann, wenn größere Baustücke zur Verwendung kommen, denn ein so völliges Loslösen der Bekrönung vom Mauerwerke, wie die Gothik im Hausteinbau gewöhnlich zeigt, erscheint für Backstein um so mehr bedenklich, als es, auch in Haustein ausgeführt, wohl selten lange Dauer verspricht. Wenden wir uns nunmehr der Betrachtung der Gesimse zu, und fassen zunächst die Fuß- oder Sockelgesimse ins Auge. Für diese im Ganzen fast immer einfachen Formen waltet kein großer Unterschied ob, mögen dieselben aus Haustein oder Backstein gebildet sein. —

Beschränkt man sich auf die Verwendung des Vollsteines, so liegt die Anwendung von Rollschichten hier sehr nahe, um die größeren Dimensionen des Ziegels für die Profilbewegung des Gesimses benutzen zu können. Es ist aber aus constructiven Rücksichten eine solche Anordnung nicht zu empfehlen. Die zahlreichen Fugen der Rollschichten müssen, da in dem porösen Fugenmörtel die Zerstörungen des Frostes gewöhnlich schneller und tiefer wirken, als in dem festeren und dichteren Backstein, gegen den unmittelbaren Anprall des Wetters geschützt liegen, sie dürfen daher nach oben nicht frei liegen, nicht in Flächen sich befinden, welche als Wasserschlag zu charakterisiren sind. Besser ist es daher jedenfalls, in dieser Gesimsform, welche die weiter vortretende Plinthe mit der Mauerflucht vermittelt, längere Stücke in Anwendung zu bringen, so daß möglichst wenig Fugen nach oben gekehrt sind. Im Uebrigen zeigt sich die Eigenthümlichkeit des Backsteins auch an den Plinthengesimsen darin, daß kräftige plastische Ornamentmotive (Blattabfälle, Torenspiren) sich ohne große Mühe herstellen lassen. Doch muß dabei, namentlich wenn die Form des hellenischen Trochilus oder des formverwandten gothischen Sockelprofils zu Grunde gelegt wird, sorglich vermieden werden, daß an einzelnen Stellen Wasser stehen bleiben kann.

Reicher entwickeln sich die Gurtgesimse. Sie verfolgen einerseits den Zweck, als ein fester Bandschmuck zu wirken, andererseits treten sie als Trennungsglieder auf, um die verschiedenen Geschosse zu scheiden. — Für die erstere Function kommen die meisten der bereits besprochenen, für die Einrahmung der Bogen und Maueröffnungen charakterisirten Motive wieder in Anwendung. Das Band in breitester Entwickelung, der Fries kommt hier in reichster Weise zur Geltung, von der ureinfachen Form der Stromschicht an bis zur kunstvoll durchgebildeten Relieftafel mit pflanzlichen Ornamenten oder bildlichen Darstellungen aus dem Menschenleben. Durch breit entwickelte Friese erhält die Backsteinarchitektur ein sehr reiches und festliches Aussehen, und gerade zu solchen Darstellungen giebt die Natur des Backsteins viel Veranlassung. Wenn dünne Tafeln auch dem Werfen in besonders hohem Maaße ausgesetzt sind, so läßt sich diese Schwierigkeit doch besiegen, wenn die einzelne Tafel in mäßigen Dimensionen gehalten wird.

Durch zweckentsprechende Anordnung der Theilungslinien ist man in den Stand gesetzt, die Fugen an stets beschattete Stellen zu verlegen, mögen die Ornamentmotive der Friese auf freiere Pflanzen- und Rankengestaltungen oder auf strenger abgegrenzte mathematische Figuren hinausgehen oder Beides derartig vereinigen, daß frei bewegte organische Formen von 3-, 4-, 6-, 8ecken umrahmt erscheinen. Von Vortheil in technischer Beziehung ist es dabei immer, die vortretenden, die Friese begleitenden Unter- und Oberglieder nicht aus einem Stück mit der zugehörigen Friesplatte herzustellen, sondern dieselben tiefer in das Mauerwerk eingreifen zu lassen, dagegen die Friesplatte in Falze hinter die vortretenden bandartigen Glieder eingreifen zu lassen. Auf diese Weise erhält die dünne Friesplatte festen Stand in der Oberfläche des Mauerwerks. Soll die Function des Gurtgesimses, als Trennungsglied der Etagen zu wirken, besonders hervorgehoben werden, so schließt sich die Formenentwickelung naturgemäß an das antike Schema an: vortretende Platte mit Corona oder leichtem Kymation darüber als Junctur für die obere Architekturentwickelung, unter der Platte ein kräftiges Kymation als Trennungssymbol. —

Die Platte bleibt entweder glatt oder sie erhält eine Charakteristik, welche sie als kräftiges Band darstellt, daher ein Mäanderschema oder eine andere einfache, aber bezeichnende Reliefform; an Stelle des Kymation, welches übrigens sehr häufig in kräftigster Weise ausgebildet wird, tritt auch wohl eine zahnschnittartige Form mit ihrer entschiedenen Schattenwirkung. Unter diesem Gliede endlich entwickelt sich der bereits besprochene Fries. —

Diese Gurt- und Trennungsgesimse sind einer sehr mannigfachen und reichen Ausbildung in den Backsteinformen fähig. — Die meisten der bei Besprechung der Umrahmung der Bogen erwähnten Motive können auch hier Anwendung finden, während einige andere sehr fruchtbare Elemente noch hinzutreten, welche aus der erforderlichen Unterstützung der vortretenden Trennungsplatte entwickelt, als eine weitere Ausbildung des sogen. Zahnschnittes angesehen werden kann. Da dieselben Formen jedoch in den Hauptgesimsen kräftiger entwickelt sich zeigen, möge ihre Betrachtung hier noch ausgesetzt bleiben. Bei den Gurtgesimsen des mittelalterlichen Formenkreises wird weniger Werth darauf gelegt, daß die Trennung über einander folgender Geschosse augenfällig dargestellt werde, die Gurtung, der Fries bleibt die Hauptsache und das über diesem liegende Gesims trägt mehr den Charakter einer Bekrönung des Frieses selbst. Oft tritt der gürtende Fries als breite Platte vor die Mauerflucht und wird dann unterhalb durch Zahnschnitt oder eine dicht gestellte Reihe kleiner Consolen gestützt, oft bleibt er in der Mauerflucht und ist nur durch Bandmotive begleitet, welche ihn vom Mauerwerke trennen, indem sie ihn zugleich damit zu verbinden scheinen. Von der größten Bedeutung in der Backsteinarchitektur stellt sich endlich die Bildung der Hauptgesimse dar.

Neben der Raumüberdeckung ist überhaupt für alle Baumaterialien das Hauptgesims die charaktervollste architektonische Bildung. Gehen wir auch bei dieser Betrachtung wieder von dem antiken Formenschema aus, so sehen wir zunächst, wenn wir das dorische Geison ins Auge fassen, daß dieses sich für die Herstellung in Backstein, sobald es in größerem Maaßstabe ausgeführt werden muß, gar nicht eignet. — In Bezug auf das jonische und korinthische Geison ist schon früher der Vermuthung Raum gegeben worden, daß bei der Erfindung dieser Formen der Backstein ein entscheidendes Wort mitgesprochen haben möge. Aber bei der Ausbildung zum typischen Schema ist der Charakter des Hausteins und speciell des Marmors ganz allein maaßgebend gewesen, so daß eine strikte Nachbildung dieser Formen in Backstein, sobald der Maaßstab nicht ungewöhnlich klein ist, gar nicht gedacht werden kann. —

Das antike Formenschema des jonischen und korinthischen Hauptgesimses muß für die Herstellung in Backstein vielmehr einer vollständigen Umgestaltung unterworfen werden. Lassen sich die weniger stark ausladenden und vollständig unterstützten Gliederungen auch ohne größere als die gewöhnliche Schwierigkeit aus Backstein herstellen, wie die Kymatien, die sogen. Zahnschnitte, die Sima auf dem Geison, so ist für die kräftig ausladenden Glieder, namentlich die Geisonplatten der Backstein doch nicht geeignet. Auch der korinthische Mutulus besitzt kein der Natur des Backsteines entsprechendes Verhältniß, er ladet für seine geringe Höhe zu weit aus, und von Backstein die Geisonplatten in solcher Größe herzustellen, daß sie von Mutulus zu Mutulus reichen, gelingt vollends nicht. Diese Verhältnisse sind es eben, welche zu einer Umbildung der Formen zwingen, um dieselben aus Backstein herstellen zu können. Am durchgreifendsten muß solche Umbildung stattfinden, wenn nur Vollziegel zur Verwendung kommen, deren geringe Dimensionen nur äußerst geringe Ausladungen gestatten. Aber auch, wenn die Gesimse aus größeren hohlen Baustücken hergestellt werden, bleiben diese immer noch weit hinter den Abmessungen zurück, welche die Werkstücke aus Haustein gewöhnlich einnehmen. Allerdings ist es möglich, auch in Backstein Stücke von sehr bedeutenden Dimensionen zu formen und zu brennen, aber für die Ausführung im Großen und Ganzen darf man über ein mittleres Maaß, wie es sich mit Sicherheit, d.h. bei sorgsamer Arbeit und Vorsicht ohne unverhältnißmäßig großen Verlust herstellen läßt, nicht hinausgehen. Wenn auch einzelne größere Stücke unvermeidlich sind, so dürfen dieselben doch nicht die Regel bilden. Welches Maaß man als ein solches mittleres anzusehen hat, läßt sich mit Bestimmtheit nicht angeben, dasselbe schwankt nach den Eigenschaften des zu Gebote stehenden Thones, ebenso nach der angenommenen Fabrikationsmethode. —

Die eine Fabrik ist daher im Stande, im Durchschnitt größere Stücke zu liefern, als die andere, wenn sie geeigneteres Rohmaterial, bessere Arbeitsregeln, zuverlässigere Brennöfen besitzt. Auch ist die Gestalt des Baustückes selbst von großem Einfluß, denn Stücke, deren Form sich dem Cubus mehr nähert, gestatten eine sicherere Herstellung, als sehr lange und sehr flache Stücke. Auf die Formgebung der Gesimse wirken diese Umstände nun derartig ein, daß einerseits stärkere freie Ausladungen vermieden werden müssen, und daß die einzelnen Theile des Gesimses sich kleiner gestalten. Die Einbuße an Wirkung durch den Mangel kräftiger Ausladungen ersetzt man durch größere Höhe des Gesimses, woraus sich dann von selbst ergiebt, daß die feineren Gliederungen zahlreicher übereinander angeordnet werden müssen. Wiederholungen desselben Motivs werden dadurch unvermeidlich; sie kommen aber in allen reicheren Baustylen vor, um den Ausdruck des architektonischen Gedankens zu verstärken, und treten auch in der hellenischen, mehr noch in der römischen Architektur häufig auf. So finden sich in den attischen Monumenten am Capitell der Anten 2 bis 3 Kymatien übereinander, während für den Ausdruck des zu Grunde liegenden architektonischen Gedankens ein einziges ausgereicht hätte; so gehören hierher auch die beiden, wenn auch verschiedenartig gebildeten Mutulenreihen des korinthischen Hauptgesimses.

In den reicheren Backsteingesimsen ist für derartige Wiederholungen namentlich die kräftig wirkende in sehr wechselnder Auffassung darstellbare Form des Mutulus beliebt. Derselbe erhält aber meistens andere Gestalt, als im Steinbau, denn er ladet weniger aus und wird dagegen höher, nimmt mehr den Charakter eines Consols an. Die Consolen werden nun so nahe zusammengerückt, daß die darauf ruhende Platte aus kleineren Stücken bestehen kann. Werden durch solche Anordnungen schon die Verhältnisse des antiken Gesimses derartig verschoben, daß eine voll ständige Neubildung stattfinden muß, so ergiebt sich ein vollständig anderes Bild durch die Einführung eines neuen wichtigen Elementes in die Gesimsbildung, nämlich des der Natur des Backsteines völlig entsprechenden Bogens. —

Es werden Kragsteine in größerem Abstande von einander eingemauert und durch Bogenformen, je nach dem zu Grunde gelegten Style des Baues, spitzbogig, halbkreisförmig, flach mit einander verbunden. Durch dieses Element erlangen die Hauptgesimse der Backsteinarchitektur eine ganz außerordentliche Beweglichkeit, Mannigfaltigkeit und Bedeutsamkeit, denn jedes Glied der Bogenreihe gestattet vielfache Veränderungen, durch welche ein reicher Wechsel von Formen gewonnen ist: die Consolen selbst kleiner oder größer, niedriger oder höher, in der Form von der einfachen Auskragung bis zur reichgeschmückten figürlichen Ausbildung in reichster Abstufung anwendbar; die Bogen selbst von kleinerem oder größerem Radius, einfach glatt oder reich profilirt, in Verbindung mit dem Kragsteine nur wenig vortretend oder kräftig ausladend; der Raum unter den Bogen einfach als Ziegelwand behandelt oder durch ein leichtes die Consolen verbindendes Trennungsgesims von der Wand geschieden und mit besonderem Füllungsornament versehen; die Bogenzwickel über den Kragsteinen endlich glatt gehalten oder mit Ornament (Blätterschmuck, Rosetten etc.) versehen. Das sind die Wandelungen, welche die Bogenreihe für sich allein schon gestattet, ungerechnet die Gliederungen, welche unter und über der Bogenreihe das Hauptgesims vollenden. Unter den Kragsteinen zeigt sich dann und wann ein umlaufendes, breites Band, ein Fries; doch beginnt gewöhnlich das Gesims mit der Bogenreihe. Ueber der letzteren jedoch ist noch Raum für weitere Entwickelung des Gesimses. Ein breites Schmuckband, oben und unten von Astragalen (Heftschnüren) begrenzt, zieht sich meistens über den Bogen hin, darauf folgt gewöhnlich unmittelbar die Sima, von einem Kymation unterstützt; oder es liegt zwischen beiden noch ein Zahnschnitt mit Platte darüber. Nicht selten auch folgt auf die erste Bogenreihe eine zweite in anderen Maaßverhältnissen, oder eine Mutulenreihe mit horizontaler Ueberdeckung. Dadurch steigert der Reichthum der Erscheinung sich außerordentlich. —

Wie die Verhältnisse der einzelnen Glieder eines solchen Gesimses gegeneinander abzuwägen, wie die Zahl und Form derselben zu bestimmen, ist Sache des architektonischen Tactgefühles. Die Größe und Höhe des Gebäudes, die Zahl der Geschosse, die Verhältnisse des Ganzen, die Haltung der Facade, der Charakter des Bauwerks überhaupt, sind dabei maaßgebend. — Der Phantasie des Architekten ist hier ein weiter Spielraum gelassen. Einfache Würde, schlichte Derbheit, trotzige Kraft lassen sich in diesen Formen ebenso wohl zum Ausdruck bringen, wie stolze Vornehmheit, feines, heiteres Schönheitsgefühl und prunkender Reichthum. In diesen Gesimsbildungen besitzen wir gleichzeitig ein Mittel, um den Eindruck ernster Würde und Kraft, welcher dem Ziegelbau in der Darstellung der Mauern — gegenüber der so äußerst wirksamen Rustica des Hausteinbaues — versagt schien, an einer anderen Stelle wieder zu gewinnen. Kräftig ausladende, starke Kragsteine von einfacher Form, in Verbindung mit großen, einfach und energisch profilirten Bogen geben dem Gebäude, welches derartig gekrönt wird, ein höchst entschiedenes, würdiges, ernstes Aussehen; wir finden diese Formen daher sehr glücklich an Stadtthoren, Burgthürmen und Gebäuden ähnlichen Charakters in Anwendung gebracht.

Für solche Zwecke eignet sich namentlich auch der Vollziegelbau ganz vortrefflich, denn die großen Formen, welche nur, aus einer gewissen größeren Entfernung gesehen, in volle Wirksamkeit treten, lassen die zahlreichen Fugen für den Gesammteindruck verschwinden, so daß man nur auf die architektonischen Formen achtet. Feinere Durchildung und größeren Reichthum der Formen erlangt man jedoch nur durch Herstellung größerer, hohler Baustücke. Allen Backsteingesimsen bleibt indessen die Eigenthümlichkeit einer bedeutenderen Höhe und geringeren Ausladung; diese Verhältnisse aber werden nicht allein durch die Schwierigkeit bedingt, größere einzelne Stücke in Backstein herzustellen, auch die Form des Bogenfrieses drängt dazu hin. Denn dieser nimmt an sich schon, wenn er in seinen Einzelformen nicht in völlige Bedeutungslosigkeit verfallen will, eine verhältnißmäßig bedeutende Höhe in Anspruch. Käme dazu noch eine bedeutende Ausladung der Consolen oder der oberen Gesimsglieder, so würde das ganze Gesims unerträglich schwer und drückend wirken. —

Wie weit die einzelnen Gliederungen ausladen dürfen, um den beabsichtigten Eindruck hervorzubringen, wie die Höhenverhältnisse abzuwägen sind, darüber giebt es einen festen Canon nicht, das muß wiederum der feine Tact des Architekten bestimmen. Werfen wir nun noch einen Blick auf die Formen des gothischen Hauptgesimses, so ergiebt sich, daß diese von vornherein vermöge ihrer geringeren Ausladung dem Wesen des Backsteines näher verwandt sind. Sie lassen sich leicht in Backstein herstellen, sowohl die glatten Rundstab- und Hohlkehlenprofile, als die Blätterreihen innerhalb derselben; ebenso eignet sich der spätgothische Spitzbogenfries sehr gut für den Backsteinbau. Wenn freilich auch der deutsch-mittelalterliche Ziegelbau die Formen des gothischen Hauptgesimses für den Vollziegel noch bedeutend vereinfacht hat, so ist doch die italienische Backsteingothik reich an schönen Beispielen solcher Gesimse und auch die Neuzeit hat den Beweis geliefert, daß der Backstein diese Formen sehr leicht hergiebt, sobald hohle Baustücke zur Verwendung kommen. Was nun endlich die Bautheile betrifft, welche sich noch über dem Hauptgesimse befinden, Akroterien, Attiken, Balustraden, Zinnen etc., im Gothischen die Giebelaußätze, Fialen, Kreuzblumen etc., so eignen sich für die Herstellung in Backstein sehr wohl alle solche Gegenstände, welche ringsum geschlossen, in einem Stücke, wenigstens ohne zahlreiche Vertikalfugen hergestellt werden können.

Figuren und Figurengruppen, Vasen, Baluster, Fialenriesen und Kreuzblumen aus Backstein können ziemlich große Formen erreichen; zu den Abdeckungsplatten der freistehenden Giebel, der Attiken und Balustraden verwendet man an dieser dem Wetter am stärksten ausgesetzten Stelle jedoch gern Haustein in längeren Stücken, um die größere Anzahl der Vertikalfugen zu vermeiden. Aus gleichem Grunde meidet man auch gern die gothischen ganz frei stehenden Wimberge, es sei denn, daß für die Ausfüllung der Fugen ein vollkommen wetterbeständiger Mörtel zu Gebote stehe. Setzt sich aus den besprochenen Bautheilen und Gliederungen in Verbindung mit den Mauerfiächen das gesammte Aeußere eines Bauwerks zusammen, so gewährt dieses, ganz aus Backstein errichtet, einen durchaus einheitlichen und eigenartigen Charakter, welcher vorzugsweise auf den Eigenthümlichkeiten des Materiales beruht. Die Unterschiede gegen den Hausteinbau treten sehr bestimmt hervor. Ausgeschlossen ist die Wirkung der Rustica, überhaupt der Quaderung, ferner die horizontale Ueberdeckung der Oeffnungen, die Gliederung in Pilasterordnungen und die kräftige Ausladung der Geisonplatten. Aber diesen scheinbaren Mängeln stehen auf anderer Seite Vortheile gegenüber, welche wohl geeignet sind, die Backsteinfacade ebenbürtig neben den Hausteinbau treten zu lassen. —

Was die Rustica betrifft, so ist deren Anwendung eine sehr beschränkte und für den ernsten, würdigen Ausdruck des Gebäudes durchaus nicht nothwendig erforderliche; die Wirkung einer kräftigen Quaderung aber läßt sich in der Ausbildung der Ziegelwand sehr wohl durch andere Mittel ersetzen, wie oben dargethan wurde. Daß der Ziegel die Horizontalüberdeckung der Oeffnungen nicht gestattet, sondern den Bogen fordert, wird man als Mangel ebenso wenig ansehen dürfen, als man den Umstand, daß der hellenische Bau nur die Horizontalüberdeckung kennt, dieser Bauweise als Vorwurf anrechnen kann: die Bogenformen bieten ein sehr reiches Ersatzmittel. Pilasterarchitekturen ferner können sehr wohl entbehrt werden, sind sie doch ohnehin nur als das Schattenbild der Säulenordnung anzusehen; die durch sie bewirkte Theilung der Flächen läßt sich durch andere Mittel ebenfalls bewirken, wenn auch mancher Architekt den feinen Rhythmus der Verhältnisse, welcher in dem Gegensatze der Pilaster und Gebälke sich leichter herstellen läßt, ungern entbehren mag. Wie endlich an Stelle des kräftig ausladenden antiken Geison das reicher gegliederte Backsteingesims tritt, ist so eben entwickelt worden.

Ob dies als Gewinn, ob als Verlust anzusehen, möge Jeder nach seinem eigenen Gefallen entscheiden; gewiß bleibt, daß der Backstein eine eigene selbstständige Welt von architektonischen Formen entwickelt hat und wohl auch noch ferner entwickeln kann, daß der Kreis der Architekturformen in Backstein, befreit von den Fesseln der antiken Tradition, noch nicht abgeschlossen ist und noch weiter Neues, Eigenartiges und wirkungsvoll Schönes hervorbringen kann. Hierbei wird nun die Frage zu erörtern sein, welche die Architektenkreise schon vielfach bewegt hat: Soll man sich auf den Vollziegelbau beschränken, oder ist es zulässig, größere hohle Baustücke in Anwendung zu bringen?

FORTSETZUNG   ZURÜCK


 zurück Seite ZIEGELFREUNDE START  
Karte Ziegeleien Brandenburg Regionen   Gronenfelder Werkstätten

TEXTE Ziegeleigeschichte:

200 Jahre
Königliche Ziegelei Joachimsthal