Ueber den Backstein. Von Herrn Post Baurath R. Neumann in Cöln.
- Verhältniss des Backsteins zum natürlichen Stein im Allgemeinen.
- Der Backstein als Constructionsmaterial.
- Die Entwickelung des Backsteinbaues in geschichtlicher Beziehung. a. Der Backsteinbau im Orient und in Aegypten. b.
- Die technische Herstellung des Backsteins.
a. Die Zubereitung des Thones. b. Formen des Thones. c. Das Brennen der Thonwaaren. d. Farben des Backsteines. e. Das Engobiren. f. Das Glasiren. - Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.
a. Gegensatz zum Hausteinbau im Allgemeinen. b. Die Fugen im Backsteinbau. c. Die architektonische Formenbildung aus gebranntem Thon. d. Vollziegelbau oder Bau mit hohlgebrannten Terracotten. e. Die Polychromie des Backsteinbaues. f. Bauausführung in Backstein. g. Zum Schlusse. QUELLEN:
Die Entwickelung des Backsteinbaues in geschichtlicher Beziehung.
b. Der Backsteinbau in Griechenland.Eine in Wahrheit künstlerische Ausbildung erhielt die keramische Werkthätigkeit sowohl für die Herstellung von Gefäßen, als für Zwecke der Architektur nicht im Orient und nicht in Aegypten, sondern erst an der Stätte, an welcher alle Strahlen der Kunstthätigkeit zusammenschießen, um zur allbelebenden, in alle Folgezeiten hinaus leuchtenden Sonne sich zu gestalten, im glücklichen Hellas.
In schroffstem Gegensatze zu den bisher betrachteten Culturländern steht schon die geognostische Bildung Griechenlands, der europäischen Halbinsel sowohl, als der kleinasiatischen Küste und der zahllos über das Meer verstreuten Inseln. Hierdurch allein schon wurden ganz andere Menschen erzogen. Verschwenderisch bot die üppige Fruchtbarkeit der asiatischen und ägyptischen Stromlande für geringe Mühe und Arbeit den Millionen Bewohnern reichsten Lohn, um in üppigem Wohlleben zu schwelgen, — vernichtete aber auch die Kraft der einzelnen Persönlichkeit und unterwarf die Massen dem tyrannischen Willen Einzelner, denen sie widerwillig mühseligen Frohndienst leisten mußten, um Riesenbauten ohne Maaß aufzuthürmen. — Anders in Hellas. — Hohe, steil abfallende Felsgebirge bedecken das Land, von engen, fruchtbaren Thälern durchzogen; in tausend Buchten drängt sich das Meer tief hinein zwischen die Berge. Ein munteres, freies Volk tummelt sich in emsiger, rühriger Thätigkeit im Walde, auf den Weiden und Feldern, wie auf den Wogen des Meeres. Anstrengend ist die Jagd im Walde, mühsam das Geschäft des Hirten auf den steilen Hängen, arbeitsvoll der Tag des Ackerbauers, der die Scholle auf dem steinigen Grunde wendet, gefahrdrohend schwingt die Meereswelle das leichte Schiff des kühnen Seglers, der begierig die Schätze der Tiefe hebt, oder herbeiholt, was die Ferne zu fröhlichem Genusse bereitet hat. Da gab es harte Arbeit, welche die Kräfte stählte, aber auch den Geist erfrischte, so daß er fähig wurde, dem eigenen Volke und der ganzen Menschheit zugleich das köstliche Geschenk des Schönen zu bereiten.
In diesem Lande, wo die Berge zehn und zwanzig mal höher emporragen, als die höchsten Pyramiden, war kein Raum für künstliche Berge von Menschenhänden. Wären aber die Hunderttausende von Bauleuten auch zur Hand gewesen, wie in Chaldäa und Aegypten, um Pyramiden aufzuthürmen aus Felsbrocken oder aus geformten und gebrannten Erdklößen, — das Werk der Hunderttausende in Hunderten von Jahren würde dennoch zu lächerlicher Winzigkeit zusammen geschrumpft sein im Angesichte der Bergriesen, welche die Natur aufgerichtet hatte. Hier war kein Ort für Riesenbauten, für Raumesgrößen, — aber der Geist des Menschen wuchs hier heran, um die Völker des Orients so hoch zu überragen, wie die hellenischen Berge die künstlichen Hügel am Euphrat. In Hellas giebt es keine massigen Backsteinbauten, die Berge sind so reich an festen, hellfarbigen Steinen, welche sich ohne zu große Mühe brechen und bearbeiten lassen; — und zu den Werken, welche nicht durch Raumgrößen wirken, sondern beredte Verkündiger edlerer Gedanken werden sollten, bedurfte man der großen Massen nicht; es genügte, wenn sie in der Nähe betrachtet der Idee des Erhabenen Ausdruck gaben; nicht die Masse, sondern die Form des Steines sollte reden und den Geist seines Bildners künden. In diesem Sinne erstreckte sich die Thätigkeit der Hellenen auf alle Stoffe, welche sich zur Bearbeitung darboten, auf Holz und Stein, auf Metall und Thon.
Die Geschicklichkeit, den Thon zu bearbeiten, erreichte eine vorher nie gekannte Höhe; aber nicht der rohe Ziegel, sondern das zierliche Gefäß ging zunächst aus der Hand des Thonbildners hervor. Es scheint, als ob vorzugsweise in der Töpferei der feine, reine Sinn für das Schöne sich bei den Griechen entwickelt habe, als ob gerade durch das Geräth für den häuslichen Gebrauch dieser Sinn im ganzen Volke fort und fort wach und lebendig erhalten worden sei. In keinem anderen Producte der Werkthätigkeit tritt die unbeschreiblich feine und zarte Empfindung der Hellenen für das Schöne uns so deutlich vor Augen, als in ihren Gefäßen. Hier offenbart sich auf das klarste der ethische Sinn, der das einfachste und unbedeutendste Geräth künstlerisch zu adeln weiß, indem er den innewohnenden Gedanken dadurch lebendig macht, daß er ihn aus der Form deutlich erkennbar hervortreten läßt. So klar und verständlich ist die keramische Formensprache, so verwandt auch mit der architektonischen, daß die Annahme sehr nahe liegt, die Keramik habe den Hellenen als Vorschule für die Tektonik gedient.
In den uns überkommenen Thongefäßen der Hellenen vermögen wir eine Entwicklung zu verfolgen, welche das höchste Interesse erregt, welcher nachzugehen wir uns aber an dieser Stelle versagen müssen. Nur wenige Andeutungen mögen genügen. Zunächst ist es als charakteristisch hervorzuheben, daß die Formenbildung das wesentlichste Moment bleibt, daß die Verzierungsmotive nur sehr mäßig angewandt werden, weil sie hauptsächlich dazu dienen, den Gedanken des Gebildes zum Ausdruck zu bringen, nicht aber um ihrer selbst willen da sind. Damit stellt sich die hellenische Keramik von vornherein in Gegensatz zur orientalischen, welche auf Farben und Flächenverzierungen das größere Gewicht legt. Nicht das bunte Spiel der Farben und Linien, welche die orientalischen Gefäße bedecken, auch nicht der blendende Glanz der Glasur ist bei den Griechen beliebt, sondern auf die ausdrucksvoll geschwungene Form wird hauptsächlich Gewicht gelegt. Darum gelangt die Töpferscheibe, welche vorzugsweise eine exacte Formengebung bei einfacher, glatter Oberfläche begünstigt, bei den Hellenen sehr schnell zu allgemeiner, durchgreifender Anwendung, während bei den Orientalen, ebenso wie bei den Etruskern das Formen aus freier Hand viel länger in allgemeiner Uebung blieb.
In keiner anderen Werkthätigkeit offenbarte sich das eigenartige Wesen der Hellenen deutlicher, als in ihrer Keramik. "Die Erfüllung, Sättigung und Verklärung der natürlichen Seite durch die geistige (wie Max Duncker dies so wahr und treffend ausdrückt), der Trieb, alles Natürliche zur Form und zum Adel des Geistes zu erheben, diese Harmonie des geistigen und sinnlichen Menschen, dieses Gleichgewicht der idealen und natürlichen Seite, welches dem Leben der Hellenen den Charakter der plastischen Schönheit gab," — es mußte naturgemäß in aller Thätigkeit dieses hochbegabten Volkes zu Tage treten. Die Durchdringung des Stoffes durch den Geist, der Gestalt durch das Wesen, die sinnliche aber geistig durchleuchtete Erscheinung des wahren Inneren der Dinge, mit einem Worte die Schönheit brach ungesucht und frei, wie eine Naturnothwendigkeit wie aus all ihren Lebensäußerungen, so auch hier hervor.
Weitaus das Meiste, was die Hellenen an nutzbarem Geräth für die Lebensthätigkeit und den Lebensgenuß geschaffen haben, ist verloren gegangen. Daß aber wirklich das Wesen der Schönheit, welches ihre Kunst, ihre Sprache, ihr öffentliches Leben beherrscht, ganz ebenso auch ihr gesamtes Privatleben durchdrang und veredelte, davon giebt uns lebendige Kunde, was an Geräthen und Gefäßen, aus Thon geformt, auf uns noch gekommen ist. Fast alles Andere, was zum häuslichen Leben, zum Gebrauch gehörte, ist verschwunden, — vom Zahne der Zeit und durch die tägliche Benutzung zerstört, wie Gewänder und alle gewebten Stoffe, verdorben oder durch die chemischen Affinitäten der Stoffe im Laufe der Zeit vernichtet, wie alle eisernen und hölzernen Gegenstände, zu anderem Gebrauch von den Menschen selbst vernichtet und umgeformt, wie die Geräthe von Erz und edlen Metallen, deren werthvoller Stoff zum Besitz reizte oder nach der Umschmelzung anderweite Verwendung gestattete. Nur die Gefäße aus gebranntem Thon haben in großer Anzahl, sei es zum Theil auch nur in Scherben, die Jahrtausende überdauert. Der an sich werthlose Rohstoff gewinnt nur durch die Bearbeitung Werth. Zerbrochen, ist das gebrannte thönerne Gefäß gänzlich nutzlos, besitzt nicht ein mal mehr den Werth des rohen Thonklumpens, aus dem es bereitet war, denn der Stoff ist zu keiner anderen Bearbeitung mehr geschickt, die Scherben werden in den Schutthaufen geworfen. Dabei aber besitzt dieser Stoff eine Unzerstörbarkeit, eine Widerstandsfähigkeit gegen chemische Einflüsse, wie wenig andere. Selbst nur leichtgebrannter Thon überdauert, wenn er mit Erde überdeckt ist oder an freier Luft den atmosphärischen Einflüssen entzogen bleibt, Jahrtausende unverändert. Nur Frost zerstört den porösen, leicht gebrannten Scherben. Ist dieser Feind entfernt gehalten, etwa durch eine schützende Erddecke, so vermag auch die Feuchtigkeit nicht die Substanz des gebrannten Thones so weit zu verändern, daß die Form zerfiele. So bergen die Schutthaufen, die Trümmerhügel aller ehemaligen Wohnstätten der Menschen Scherben ihrer Thongeräthe in Fülle. Die Werthlosigkeit des Rohmaterials aber, wie der geringe Aufwand an Arbeit und Mühe, welche die Zubereitung des Stoffes sowohl, wie die Formgebung desselben in Anspruch nahm, ferner die vielseitige Benutzbarkeit der aus Thon gebildeten Gefäße machten die Töpferkunst zu einer der ältesten Begleiterinnen der menschlichen Cultur, zu einer Werkthätigkeit, welche gleichzeitig dem Lebensbedürfnisse diente und (eben vermöge der Leichtigkeit der Formgebung) die erste Schule der Kunstübung, die Pflanzstätte des Kunstsinnes und der bildenden Kunst überhaupt werden mußte.
Aber nicht allein zum häuslichen Gebrauche wurden Thongefäße geformt, seit uralten Zeiten schon verwendete man Thongefäße im Todtencultus. Die Asche der verbrannten Leichen wurde in Thongefäßen aufbewahrt und in den Grabkammern beigesetzt; und als die altarische Sitte der Leichenverbrennung dem semitischen Gebrauche der Todtenbestattung gewichen war, da behielten dennoch die Thongefäße ihre Bedeutung für den Todtencultus bei, denn es blieb die Sitte, den Gestorbenen in das Grab zu legen, was ihnen im Leben lieb gewesen, was eng mit ihrer Person verbunden gewesen war, Waffen, Kleider, Geräthe, selbst Flüchte und Geldstücke, vor Allem aber Thongefäße zur Aufnahme solcher Gegenstände. Das Bedürfniß von Gefäßen für die Grabstätten führte zur Ausbildung eigenartiger Formen für diesen speciellen Zweck, welcher in dem plastischen und decorativen Schmucke der Graburnen seinen Ausdruck fand. So wurde die Töpferei ebenso wie die Baukunst über das gemeine Bedürfniß des Lebens herausgehoben, um in den Dienst des den Göttern Geheiligten zu treten. Die Grabstätten aber sind durch diese Sitte, nicht blos bei den Hellenen, sondern bei den meisten Völkern der Vorzeit, zu reichen Fundgruben unseres Wissens über Kunst und Sitten längst verschollener vorgeschichtlicher und geschichtlicher Zeiten geworden.
Zwischen hellenischen und orientalischen Völkern zeigt sich in der Töpferei noch ein anderer, sehr wichtiger Unterschied. Während diese Werkthätigkeit im Oriente von Unfreien betrieben wurde und als Sklavenwerk verachtet war, übten sie in Hellas freie Bürger, im Volke hochgeachtet, denn sie übten ihr Gewerbe als freie Kunst im Dienste des Schönen.
Unter den Städten Griechenlands ragte vor allen Athen als diejenige hervor, in welcher die Töpferkunst zur höchsten Blüthe gelangte. In der Nähe der Stadt befanden sich mächtige Thonlager von vorzüglicher Güte, welche gestatteten, eine plastische Masse von vorzüglicher Feinheit herzustellen, um daraus Gefäße von höchster Sauberkeit und Reinheit der Form zu bilden. Indessen haben wir darin doch nicht die hohe Bedeutung der hellenischen Töpferei zu suchen, sondern in der Art, wie sie in Formen gebildet, und wie sie dieselben geschmückt haben.
Jedes Gebilde menschlicher Werkthätigkeit muß vor allen Dingen seinem praktischen Zweck entsprechend gestaltet sein. Dies gilt auch für die Bildung der Gefäße, unter denen eine verschiedenartige Benutzung die verschiedenartigsten Formen veranlaßt. Alle haben die Bestimmung mit einander gemein, daß sie Flüssigkeiten aufnehmen, bewahren, ausgeben sollen. Anders ist aber die Gestaltung für Schöpfgefäße, anders für solche, in welche das Wasser in einem Strahl von oben her einlaufen soll. Verschieden muß die Form des Gefäßes sein, wenn die Flüssigkeit darin möglichst lange in derselben Temperatur erhalten werden, verschieden, wenn schneller Wechsel (Abkühlung oder Erwärmen) stattfinden soll. Ein Gefäß, welches in der Hand getragen wird, muß abweichend geformt sein von dem, welches auf dem Kopfe getragen wird. Ein großer Unterschied besteht zwischen der flachen Schaale, aus welcher die Flüssigkeit frei verdunsten kann, und der Flasche, welche dichten Verschluß leicht gestattet, ganz zu schweigen von den Verschiedenheiten in der Gestaltung für Trinkgefäße, Gefäße zum Tragen, zum Aufbewahren, zum Mischen von Flüssigkeiten, zum Ausgießen und Vertheilen derselben in größeren oder kleineren Quantitäten.
In allen für den praktischen Gebrauch bestimmten Geräthschaften finden wir bei den alten Völkern einen außerordentlich treffend auf das Sachliche gerichteten Sinn ausgesprochen, und erst unserem hochcivilisirten Zeitalter war es vorbehalten, anderen Bahnen zu folgen, Gefäße herzustellen, deren Form für den Gebrauch, zu welchem sie bestimmt sind, geradezu widersprechend gestaltet sind, Eimer, in denen bei jedem Schritt des Trägers das Wasser überläuft, Tassen und Gläser, zu deren Gebrauch beim Trinken besondere Uebung gehört, Thee- und Kaffeekannen, aus denen man nur mit großer Vorsicht ausgießen kann, ohne einen Theil von dem Inhalt zu verschütten, Schüsseln mit Henkeln, an denen man nicht fest anfassen kann, Gläser und Flaschen, die groß scheinen und wenig enthalten. Unter Allem, was das Alterthum uns hinterlassen hat, zeichnen sich aber ganz besonders die hellenischen Gefäße durch Zweckmäßigkeit der Form und Brauchbarkeit für den speziellen Zweck aus. Indessen ist damit ihre Bedeutung noch bei Weitem nicht erschöpft, denn was ihnen außerdem den höchsten Werth verleiht, was sie über alles von den Nachbarvölkern in dieser Richtung Hervorgebrachte erhebt, das ist der ornamentale Schmuck, durch welchen sie zu wirklichen Kunstwerken sich gestalten.
Zunächst ganz abgesehen von eigentlicher Kunstform ist ihnen eigen ein schwer zu beschreibender elastischer Schwung der Umrisse, welcher durchaus und überall den Eindruck hervorruft, daß der Gegenstand den ihm zugewiesenen Dienst mühelos, leicht und frei verrichte, ohne von der Last gebeugt und beschwert zu werden — vollständig entsprechend der straffen, energischen Linienführung, welche den frischen, durch Uebung gekräftigten und wohl ausgebildeten Körper der gereiften Jugend charakterisirt und von schwülstiger, weichlicher Fülle ebenso unterscheidet, wie von den mageren, gedehnten Formen des noch unausgebildeten früh-jugendlichen Alters. Ein Blick auf die Contouren hellenischer Hydrien, Amphoren und Krateren im Vergleiche mit ähnlichen Gefäßen etruskischen, assyrischen, ägyptischen oder germanischen Ursprungs wird die Richtigkeit dieses Satzes sofort in die Augen springen lassen.
Alsdann ist es die Eintheilung des Gefaßes in die verschiedene Dienste verrichtenden Theile, die bestimmte Sonderung derselben von einander, was den hellenischen Gefäßen ganz besondere Klarheit in der Erscheinung verleiht. Der Bauch oder Körper des Gefäßes, welcher die Flüssigkeit hält und bewahrt, der Fuß, welcher festen Stand gewährt, der Hals, welcher zum Ausguß hinüberleitet, der Rand, welcher die Aufnahme der Flüssigkeit vermittelt, die Lippe, welche den Ausguß derselben sichert, die Henkel, welche das Tragen und Heben in verschiedenen Lagen gestatten, alle diese Theile sind nicht nur in zweckmäßigster Gestaltung an der passendsten Stelle und in der ihrem Dienste angemessensten Größe vorhanden, sie sind auch bestimmt und klar von einander gesondert, und doch wieder mit dem Ganzen innig zu einer dem Auge wohlthuenden Einheit verbunden.
Diesen Vorzügen, welche allein schon durchaus harmonisch wirken, tritt nun noch die symbolische Charakteristik als vollendender Schmuck hinzu und begründet erst das eigentliche Wesen des Kunstwerks. Die symbolische Charakteristik ist wiederum eine zweifache. Nach einer Seite hin sehen wir die Bestimmung des Gefäßes und den Dienst der einzelnen Theile desselben durch entsprechende Symbole deutlich ausgesprochen. Aufgelegte oder aufgemalte Blätter, welche den Kessel des Gefäßes umgeben, oder ähnliche der Pflanzenwelt, namentlich Früchten entlehnte Symbole bezeichnen das feste Fassen und Umschließen. Schlank gestaltete Blätter, Blüthen und Stengel zeigen durch die Richtung, welche sie nehmen, die Thätigkeit der einzelnen Theile (Einnehmen, Ausgehen) an, markiren das feste Aufetzen des Fußes wie die freie Endigung des Deckels. Der Henkel erwächst sprossend und fast wurzelnd aus dem Körper des Gefäßes, löst sich in freier Schwingung ab von der Masse und faßt, nachdem er in handlicher, bequem faßbarer Gestaltung seine freie Bewegung vollendet, wieder fest den Hals oder den Rand des Gefäßes. Umgelegte Bänder, schmal oder breit, bald einfach, bald mit Ranken oder Gewebemustern verziert, verbinden die einzelnen Theile mit einander, deuten das feste Zusammenhalten des Ganzen an, heften die besonderen, selbstständigen bildlichen Darstellungen auf den Körper des Gefäßes.
Nach der anderen Seite hin giebt die symbolische Charakteristik eine Andeutung der speciellen Bestimmung des Gefäßes. Gefäße für die Aufbewahrung und den Genuß des Weines, des Wassers, Gefäße für Oel, Lampen, Speisegeräthe sind durch besondere darauf angebrachte Attribute kenntlich gemacht. Bald erscheinen sie vereinigt mit den Symbolen, welche die allgemeine Bedeutung des Gefäßes charakterisiren (Henkel von Weinranken an Weingefäßen, Löwenköpfe, die Hüter der Brunnen, als Henkel und Ausgüsse der Wassergefäße, Olivenblätter und Früchte an Oelgefäßen, Fledermaus und Nachtschmetterling an Schnauzen und Henkeln der Lampen etc.), bald ergeht sich die symbolische Charakteristik in besonderen aufgehefteten bildlichen Darstellungen. Hierzu gehören namentlich auch die Attribute der Götter, zu deren Dienste die für hieratische Zwecke bestimmten Gefäße gehörten, die Bilder der den einzelnen Göttern geheiligten Pflanzen und Thiere, die zu den heiligen Diensten gehörigen Geräthe, endlich die Embleme des Todtencultus auf den Aschenurnen.
So verlockend es auch wäre, auf diese Betrachtungen noch näher einzugehen, so läge dies doch dem Zwecke der vorliegenden Abhandlung zu fern, denn es sollen hier vorzugsweise nur die Beziehungen der Keramik zur Architektur erörtert werden. Treten wir der letzteren wieder näher, so finden wir bei den Hellenen ein Feld der Betrachtung weit ausgedehnter und interessanter, als bei den orientalischen Völkern, trotz des engen Rahmens, in welchen das Ganze eingeschlossen ist, denn wir haben es nun nicht mehr mit breiten, aber unkräftigen Anläufen auf dem Gebiete der Kunst zu thun, sondern mit den glücklichen Erfolgen eines reich begabten, geistesreifen Volkes.
Auf den ersten Blick scheint der Backsteinbau in Griechenland gar keine Bedeutung beanspruchen zu können. Die ältesten Mauern im Lande, die kyklopischen Riesenbauten, sind aus Felstrümmern errichtet. Später herrscht der Quaderbau vor, meistens aus dem weicheren Poroskalkstein bestehend, die Oberflächen mit feinem Stucküberzuge versehen, — für die kostbarsten Bauten aus dem in Fülle vorhandenen weißen Marmor, dessen Blöcke auf das Sauberste zugerichtet und geschliffen wurden.
Einerseits boten die Felsengebirge Griechenlands fast überall brauchbaren Baustein dar, andererseits war das Constructionssystem des hellenischen Baues dem Quaderhau besonders günstig, denn der Steinbalkenbau verlangte nur senkrechte Unterstützung und bedurfte nur geringer Mauermassen. Es fiel damit eine wesentliche Bedingung für die Verwendung des Ziegels fort, die erforderlichen geringen Steinmassen ließen sich überall aus den Felsen brechen. Gleichwohl war der Ziegelbau den Griechen keineswegs fremd, und er wurde in Anwendung gebracht, wo die örtlichen Verhältnisse dazu angethan waren, wo das Land sich zur Ebene breitete und größere Mauermassen erforderlich waren. So wurden die langen Mauern, welche die Stadt Athen mit dem Hafen verbinden, von Ziegeln hergestellt, denn die Eile der Ausführung, welche durch die politischen Verhältnisse geboten war, gab dem Ziegelbau den Vorzug. Auch sonst verschmähte man unter besonderen Verhältnissen den Ziegelbau nicht, Tempel und öffentliche Gebäude wurden häufig von Backstein errichtet, wie dies von der Stoa basileia zu Athen, vom Tempel des Apollon zu Megara und anderen bekannt ist. In Kleinasien endlich, welches ohnehin in jeder Beziehung zu orientalischen Verhältnissen hinüberleitet, traten Massenbauten in Fülle auf und mit diesen sogleich wieder der Ziegelbau. Der Palast des Mausolus zu Halicarnass, die Paläste der Attaliden zu Trolles etc. waren Ziegelbauten.
Mag nun immerhin der Bau ganzer Häuser aus Backstein in hellenischen Landen zu den Ausnahmen gehört haben, so ist es doch gewiß, daß vielfältig an Privatgebäuden wie an den weniger luxuriös ausgestatteten Tempeln und öffentlichen Gebäuden die baulichen Gliederungen großentheils aus gebranntem Thon hergestellt wurden. Das Geison, die Sima des Dachkranzes, die Akroterien bestanden aus gebranntem Thon, Ziegel aus demselben Materiale bildeten die schützende Dachfläche, Balken- und Sparrenköpfe, Epistylien und Deckenbalken, Thürumrahmungen von Holz waren mit Hüllen von gebranntem Thon versehen. Hier zeigt sich ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen orientalischer und hellenischer Auffassung. Während im Oriente die architektonische Keramik auf der Ziegelei basirt und die Ausschmückung der glatten Mauerflächen mit farbiger Glasur im Sinne des Malerischen anstrebt, — geht in Griechenland die Kunstübung in demselben Materiale von der Töpferei aus und wird vorzugsweise plastisch. Es springt in die Augen, daß hier durch eine höhere Stufe erstiegen ist, und dieses Neue tritt uns alsbald in höchster Vollendung entgegen. Derselbe elastische Schwung der Linien und Formen, dieselbe Feinheit und Freiheit der Zeichnung, auf das Glücklichste der Natur und dem Leben abgelauscht, derselbe Reichthum an künstlerischen Gedanken, dieselbe Vielgestaltigkeit der Erfindung, dasselbe weise Maaßhalten in Formgebung und Ausschmückung, kurz alle Vorzüge, welche die hellenische Werkthätigkeit in Geräthen und Gefäßen wie in den Architekturformen aus Stein charakterisiren, finden wir auch in den Architekturgebilden aus gebranntem Thon wieder. Dem schlichten Wohnhause konnte so aus wenig kostbarem Materiale ein Schmuck verliehen werden, welcher seinen Träger bei aller äußeren Anspruchslosigkeit in künstlerischer Beziehung doch auf gleiche Stufe mit den durch die vereinigte Kraft von ganz Hellas aus Marmor und kostbaren Stoffen errichteten Tempeibauten stellte.
Mit voller Berechtigung kann man den Thon als den Mutterstoff aller Plastik bezeichnen. Aus ihm wurde alles plastische Gebilde zuerst geformt, dann erst in das festere Material des Steines, des Erzes übersetzt. *) Man konnte aber auch das erste plastische Gebilde aus dem vergänglichen Modelle sogleich in haltbaren Zustand bringen, indem man es im Feuer härtete. Demnach entwickelt sich die plastische Thätigkeit naoh zwei verschiedenen Richtungen, nach der Stein- und Erzbildnerei einerseits, nach der eigentlichen Keramik andererseits, beide aber sind aus demselben Mutterschooß erwachsen.
Die Keramik, die ältere aber unscheinbarere Tochter wurde in der Bedeutung für das geschichtliche, öffentliche Dasein überflügelt von der Stein- und Erzbildnerei, welche in weniger zerbrechlichem, glänzenderem Materiale arbeiteten; jene behielt die bescheidene Herrschaft im Hause, diese führte das große Wort auf dem lauten Markte des öffentlichen Lebens. Aber der innige Zusammenhang zwischen beiden erhielt sich dauernd, die Einwirkung der ursprünglichen plastischen Werkthätigkeit verschwand nicht aus der hellenischen Kunst.
Wohl ist anzunehmen, daß die gesammte Formensprache der hellenischen Tektonik aus der keramischen Werkthätigkeit entsprossen ist, denn dieselben Grundgedanken in ganz ähnlicher Weise ausgesprochen finden wir in der künstlerischen Charakteristik der Geräthe und Gefäße, wie in der architektonischen Kleidung des Bauwerks. Darin aber zeigt sich vorzugsweise wieder der Genius des griechischen Volkes, daß niemals eine geistlose Uebertragung aus einem Materiale in das andere vorkommt. Das Körperliche wird eben vollkommen abgestreift, wo es keine Berechtigung hat, wo die Herrschaft des Geistes zur Geltung kommen muß. Darum sind banale Nachbildungen, wie wir sie in den lykischen Grabdenkmälern sehen (Holzscheiterhaufen, genau in Stein nachgebildet), in Griechenland geradezu eine Unmöglichkeit. Die Bedeutung des Materials zeigt sich darin, daß es jedem Gebilde, welches aus demselben hergestellt ist, seine entsprechende, für den Dienst desselben zweckmäßigste Form giebt, und diese Form wird sofort eine andere, wenn das Material abweichende Eigenschaften besitzt. Niemals wird ein Gefäß aus Thon mit so leichten Füßen, mit so frei geschwungenen Henkeln gebildet, als ein solches aus dem festeren Erz. Niemals zeigt sich eine Werkform aus dem Bereiche der Gefäßbildung auf Architekturgliederungen übertragen, die nicht dem eigenthümlichen Wesen der baulichen und statischen Verhältnisse vollständig entspräche.Aber die Methode der keramischen und der architektonischen künstlerischen Charakteristik ist dieselbe, durch dieselbe Formensprache, dieselben Symbole werden die gleichen Gedanken in beiden Werkthätigkeiten ausgesprochen, dieselben Motive liegen der bildnerischen Charakteristik in beiden Richtungen zu Grunde, so daß die gemeinsame Wurzel beider ganz unverkennbar bleibt.
Offenbar aber ist die Werkthätigkeit in dem leicht bearbeitbaren Thon die ältere, die in dem spröden und harten Steine die jüngere, und wo das Material nicht durchaus eine veränderte Formengebung verlangt, da finden sich wohl auch noch deutliche Reminiscenzen an den ursprünglich verwendeten Baustoff. So ist die Uebertragung des Ziegeldaches von gebranntem Thon in das aus Marmor historisch verbürgt, Byzes und Energos von Naxos sollen im 6. Jahrhundert v. Chr. diese Uebertragung durch die Erfindung der Marmorsäge erst möglich gemacht haben. Aber die Betrachtung des Steinschnittes der hellenischen Dachziegel läßt schon deutlich erkennen, daß eine solche Fügung und Zusammensetzung nicht dem Haustein, sondern nur dem Backstein urwüchsig angehört. Man vergegenwärtige sich ferner die eigenthümliche Bildung des ionischen Geison, vornehmlich des unteren Theiles, der Geisipodes, gewöhnlich Zahnschnitt genannt. Wohl bezeichnet Bötticher diese Bildung als ein höchst geistvolles Auskunftsmittel, um die Last des überhangenden Theiles des Geisonblockes zu verringern und den Schwerpunkt auf die unterstützte Mauer zurück zu verlegen.
Wie kam man aber gerade auf dieses Auskunftsmittel, während es doch für denselben Zweck wohl deren näher liegende gab? Sofort verständlich wird es indessen, wenn man auf den keramischen Ursprung zurückzugehen versucht. Aus Ziegeln hergestellt, ergiebt sich eine solche zahnförmige Ueberkragung der Natur des Materials entsprechend so ganz von selbst, daß man sie ungesucht in der Ziegelarchitektur überall angewendet findet, um eine weiter vortretende Platte wirksam zu unterstützen. Die Benutzung dieses Motivs für die Steinconstruction lag um so näher, als die kräftige, scharf geschnittene Form auch im Schatten der weiter vortretenden Geisonplatte noch von prägnanter Wirkung bleibt. Aber eben nur das Motiv ist benutzt, keine geistlose Uebertragung einer aus dem Ziegelbau entlehnten Form in den Steinbau liegt hier vor; so wie sie in Stein gebildet ist, gehört diese Form auch vollständig eigenthümlich dem Steinbau zu, und zeigt sich der Natur dieses Materials vollkommen angemessen, dies bekundet namentlich die Unterschneidung des Kyma über den Geisipoden und das geringere Breitenmaaß der Lücken im Verhältniß zu dem der Zähne.
Es darf ferner an das korinthische Geison erinnert werden. Diese Form kann ihre Herkunft von der keramischen Stammmutter ebenfalls nicht verläugnen. Die Absicht, den schwebend vorspringenden Theil des Geisonblockes zu entlasten, ohne ihn wesentlich zu schwächen, ist auch hier unverkennbar. Der reich geformte korinthische Mutulus, namentlich in späterer Zeit gewöhnlich in Form einer Volute gestaltet, zeigt deutlich seine nahe Verwandtschaft mit dem aus Thon gebildeten Balken- oder Sparrenkopfe, welcher zur Bekleidung gleichnamiger Holztheile diente. Die Entfernung der Mutulen von einander ist von der Art, daß auch die aufliegende Geisonplatte in kürzeren Stücken passend aus gebranntem Thon bestehen konnte, von der Sima nicht zu reden, welche ohnehin vielfach aus Thon hergestellt wurde, namentlich im Anschluß an die Dachdeckung. Letztere bestand in der Regel aus gebrannten Ziegeln, auch wenn im Uebrigen der Bau aus Steinen errichtet war, denn der Tragfähigkeit des hölzernen Dachstuhls entsprach die leichtere Bedachung von gebranntem Thon mehr als die schwer lastende Bedeckung mit Marmorziegeln.
Man betrachte endlich mit unbefangenem Sinne das korinthische Kapitell, besonders in der späteren Ausbildung, welche namentlich auch von den Römern adoptirt wurde. Ist schon die Kraterform des Kapitells geeignet, Erinnerungen an einen keramischen Ursprung hervorzurufen, so wird dieser Gedankengang vollkommen bestätigt durch die Bekleidung mit involutirten Ranken und Akanthus. Für die Herstellung in hartem Stein waren diese Formen ursprünglich sicher nicht gedacht, dazu zeigen sie sich zu leicht und frei; es gehört schon zu den Steinhauerkunststücken, ein solches Kapitell ohne Fährlichkeit des Gelingens aus einem Steinblock zu meißeln. Angemessener wäre diese Form der Natur des Erzes, aber es darf die Ausführung der zahlreichen Kapitelle eines Baues in Erz wohl als ein zu großer Luxus gelten, um die Entwickelung einer hellenischen typischen Form davon abzuleiten, — so häufig auch in der Zeit des alexandrinischen Reichthums und des römischen Luxus die Bekleidung nicht nur der Kapitelle und der Säulenfüße, sondern der sämmtlichen Balken, Stroteren und Lacunarien mit vergoldetem Erz stattgefunden haben mag. Weit näher liegt die Ableitung auch dieser Form aus der Keramik. In dieser Technik ließen sich Ranken und Blätter des korinthischen Kapitells ohne große Gefahr des Mißlingens und ohne Künstelei herstellen, selbst wenn das Ausdrücken oft wiederkehrender gleicher Gestaltungen in festen Formen noch nicht üblich gewesen sein sollte (was indessen schwer zu glauben ist, da ein verwandtes Verfahren für den Erzguß unerläßlich ist und deshalb bekannt sein mußte).
Diese wenigen Andeutungen mögen genügen, um einen sehr entschiedenen und tiefgreifenden Einfluß der Keramik auf die Architektur der Hellenen zu kennzeichnen. Leider enthalten die bis jetzt bekannt gewordenen Monumente nur geringe und unbedeutende Reste von Bautheilen aus gebranntem Thon. Nur die bedeutendsten und aus den festesten Materialien hergestellten Bauwerke haben die Jahrtausende überdauert und stehen, wenn auch arg verstümmelt, zum Theil noch aufrecht. Nur der unzerstörbare Marmor hat der Vernichtung getrotzt, der zerbrechlichere Backstein der hohl geformten Baustücke und Sculpturen ist hinweggerafft vom Zahne der Zeit und nur noch Scherben finden sich in den Trümmerhaufen. Wenn die Holzbalken und Thürpfosten, welche mit Backsteinplatten bekleidet waren, wenn die Dachsparren, welche die Akroterien und Stirnziegel aus Backstein trugen, vom Feuer zerstört oder durch Alter morsch geworden, in Trümmer sanken, so ereilte die an sich wohl feuerbeständige, aber in der Construction nicht selbstständige Bekleidung und Bedeckung dasselbe Schicksal. Lange hat man die Scherben in den durchwühlten Trümmerhaufen unbeachtet gelassen, denn man glaubte antike Kunst nur in Stein und Erz suchen zu sollen. Seitdem man aber die Entdeckung gemacht, daß auch in den unscheinbaren Thonscherben eine ganze Welt des Schönen verborgen schlummert, fördert jede Ausgrabung des Neuen und Werthvollen in Fülle zu Tage. Man sucht nun und man findet, — und sicherlich werden wir dereinst aus den Thonscherben die bauliche und künstlerische Ausstattung des hellenischen Privathauses auf das Deutlichste wiedererstehen sehen; denn zur Ausschmückung des Privathauses scheint vorzugsweise der Backstein gedient zu haben. Die alten Schriftsteller erwähnen derselben sehr wenig und nur sehr beiläufig, — was Allen alltäglich vor Augen stand, davon sprach und schrieb man eben nicht, — so muß, wie an so vielen anderen Stellen, die eingehende und mühsame Erforschung der Trümmerhaufen die Lücke ausfüllen.
Die Entwickelung des Backsteinbaues in geschichtlicher Beziehung.
c. Der Backsteinbau in der alexandrinischen Zeit u. den Römern.Eine allgemeinere Bedeutung auch für öffentliche Gebäude gewann der Backsteinbau durch die Eroberungszüge Alexanders nach dem Orient. — Die macedonischen Speere trugen hellenische Bildung in die volkreichen, weitgedehnten Binnenländer Asiens, wo dieselbe die vorgefundene eigenartige Cultur zwar beherrschte, dennoch aber vielfach von ihr beeinflußt wurde, denn den Wirkungen der durch die allgemeinen Naturzustände hervorgebrachten Verhältnisse, den Wirkungen einer eigenartigen, durch Jahrtausende festge stellten Cultur eines besiegten Volkes vermag sich kein Eroberer zu entziehen, — sie besiegen auch den stolzesten und selbständigsten Sieger. — Hatte die Herrschaft des großen Macedoniers in der Heimat schon den Charakter des Monarchisch-Tyrannischen angenommen, so mußte dieses Wesen unter seinen Nachfolgern zur entscheidensten Ausbildung gelangen, denn sie herrschten über Völker, welche niemals eine andere Staatsform gekannt hatten. — Im unmittelbaren Gefolge dieses Herrscherwesens traten die Massenbauten auf, begünstigt durch die in den vorderasiatischen Ländern alt hergebrachte Verwendung des Ziegels. Nicht nur Paläste und Tempel, ganze volkreiche Städte entstanden unter den Seleukiden und Ptolemäern wie durch Zauberschlag in wenigen Jahren. — Die gesteigerte Kunstbildung, welche die Hellenen mitbrachten, konnte ihre Einwirkung nicht verfehlen, um eine neue Entwickelung des Backsteinbaues hervorzurufen, welche, wesentlich verschieden von der älteren, einheimischen Massen- und Flächen-Technik, dem hellenischen Formen sinne bedeutende Zugeständnisse machen mußte. —
Freilich ist von den Denkmälern der Diadochenzeit sehr wenig erhalten, die Völkerstürme, welche anderthalb Jahrtausende mit sengendem Odem über diese Landstriche hinfegten und auch heut zu Tage wohl nur in kurzer Pause schweigen, haben das Meiste vernichtet. Nur aus den Nachrichten der Geschichtschreiber können wir auf die Eigenart der Bauwerke dieser Zeit schließen, welche orientalische Massenhaftigkeit und Prachtliebe mit dem Farbenreichthum des Südens und dem feinen Formensinne der Hellenen verband. — Es müßten demnach alle Vorbedingungen zu einer Neugestaltung der Kunst auf der höchsten Stufe der Realität und des Idealismus vorhanden gewesen und Werke entstanden sein, welche alles Frühere an Geist und Phantasie überboten, wenn nicht Eines gefehlt hätte: die frische, jugendlich-schöpferische Urkraft des Volkes. — Die Völker, welche hier zu neuem Wirken zusammentraten, hatten bereits ihre Blüthezeit hinter sich. Der Orient war erschlafft, sein Wirken beschränkte sich auf mechanische Massenproduction und war auf künstlichen Sinnenreiz gerichtet. Die Hellenen hatten ihre Volkskraft in den politischen Kämpfen des Mutterlandes aufgerieben, ihre frische Erfindungs- und Gestaltungskraft war verloren, sie konnten im Wesentlichen nur noch reproduciren, das Gegebene in seiner Verschiedenartigkeit zu einem äußerlich Zusammenpassenden geschickt und geschmackvoll verbinden, sie besaßen aber nicht mehr die Kraft, die vorhandenen Gegensätze zu einer innerlichen durch und durch harmonischen Einheit zu verarbeiten. Dies mag sich namentlich in der weiteren Entwickelung des Gewölbebaues gezeigt haben. — Gewölbe in Tonnenform, rundbogig, parabolisch, spitzbogig, sind, wie bereits früher erwähnt, in der babylonischen Ebene uralte Erbschaft gewesen. Unzweifelhaft haben die Griechen das Gewölbe als Raumüberdeckung gekannt. —
Thatsache ist aber, daß sie es ausschlossen, und für ihre — "republikanischen" Bauten bedurften sie desselben auch nicht. — Als sie aber das herrschende Volk geworden waren, über zahllose Barbaren geboten und großartiger Raumbauten bedurften, um diesen zu imponiren, als solche Bauten ein Mittel zur Befestigung ihrer Herrschaft wurden, da konnten sie sich mit dem engen Steinbalkenbau nicht mehr behelfen, sie mußten die freie, hochgespannte Raumüberdeckung, welche nur durch das Gewölbe herzustellen ist, annehmen. Namentlich die weitschauende gewaltige, den Herrscher kündende Kuppel wurde nun allgemein. — Aber der Widerspruch zwischen dem Formensysteme des Steinbalkenbaues und dem der frei schwebenden Gewölbedecke war zu groß, als daß ein Volk, dessen geistige Productionskraft bereits im Abnehmen begriffen war, die Vermittelung in der Kunstform hätte finden können. Aeußerer Zwang, nicht innere Nothwendigkeit führte zu einer äußerlichen Formenverschmelzung, die innere organische Lösung der Aufgabe gelang nicht. — Ist doch die Annahme vielleicht gerechtfertigt, daß selbst das für bildende Kunst am höchsten begabte Volk, welches die Erde gesehen, auch in seiner Jugend instinctiv vor dieser Aufgabe zurück gewichen ist, denn ihm war die weise Selbstbeschränkung, in welcher sich erst der Meister zeigt, ein angeborenes Erbtheil. Erachtete es aber in seiner vollsten Jugendfrische die eigene Gestaltungskraft nicht ausreichend für solche Aufgabe, wie sollte es in späterer Zeit die gesunkene Volkskraft sich daran wagen! Wir sehen die Kunstformen des Steinbalkenbaues so gut es ging der Bogenlinie angepaßt, die inneren Widersprüche verstecken sich hinter Glanz und Schimmer, sowie unter der Wirkung des räumlich Erhabenen. Wir sehen die dicken Mauermassen, welche der Gewölbebau nothwendig forderte, mit einer aus dem Steinbalkenbau über tragenen Scheinarchitektur überkleidet, ein weiträumiges, vielgestaltiges, wenig gegliedertes, reichgeschmücktes, prächtiges Conglomerat von Palästen und Tempeln, Theatern, Bädern und Hallen, verschwenderischem Luxus und prunkender Herrschaft dienend.
So fanden die Römer, als sie den Orient unterwarfen, die Baukunst des hellenisirten Asiens vor, so übertrugen sie dieselbe nach Rom. — Denn die riesigen Gewölbebauten Roms, obenanstehend das gewaltige Pantheon des Agrippa, sind nicht ursprünglich auf italischem Boden erwachsen. — Diese Bauweise ist dem Oriente entstammt, aber sie steigerte sich in Rom zu den höchsten constructiven Leistungen, vorzugsweise begünstigt durch ein Moment, welches dem südlichen Italien eigen ist.
Die Bodengestaltung Apuliens und Calabriens zeigt, daß der Vesuv nur der letzte noch thätige Vulkan dieser Gegend ist, — das ganze Land trägt vulkanischen Charakter. — Mit solchem aber ist fast immer ein Reichthum von außerordentlich festen und nutzbaren Baumaterialien verbunden. — Die basaltischen und namentlich die trachytischen Gesteine sind großentheils außerordentlich fest und wetterbeständig, die Trümmer und Trümmergesteine derselben aber besitzen den eigenthümlichen Vorzug, mit Kalk vermischt, einen sehr schnell erhärtenden , außerordentlich festen Mörtel zu bilden. Gleichzeitig geben die Tuffgesteine, Bimssteine, Schlacken in Folge ihrer schaumig aufgeblähten Structur ein Mauerwerk von sehr geringem Gewichte.
Die Leichtigkeit, mit welcher manche dieser porösen Gesteine sich zu kleinen, ziegelähnlichen Quadern schneiden lassen, mußte zuerst darauf führen, diese anstatt der Ziegel zu Gewölben zu verwenden. Die außerordentliche Bedeutung des schnell erhärtenden Mörtels aber zeigte sich darin, daß er eines regelmäßigen Steinverbandes überhaupt nicht nothwendig bedurfte. Der Mörtel erhärtet auch ganz ohne Stein zu fester Masse und man benutzte schließlich den Stein nur in unregelmäßigen kleinen Stücken als eine Füllmasse, um dem Gewölbe größere Leichtigkeit zu sichern. — So entstanden die Gußgewölbe als eine besondere Constructionsart, die sich noch heute in vulkanischen Gegenden erhalten hat, ganz besonders im südlichen Italien, wo (in Neapel) Decken und Dächer von Astrico, der aus Tuffstein, Puzzolanerde und Kalk bereiteten Mörtelmasse geschlagen werden. — Man könnte versucht sein, aus dieser Constructionsweise die Entstehung des Gewölbes zu erklären, aber es ist solche Entwickelung nicht denkbar. — Zunächst waren die Gegenden Italiens, in denen sich diese eigenthümlichen Baumaterialien vorfinden, frühzeitig mit griechischen Colonien besetzt, in denen der Gewölbebau keine Pflege fand; es kann deshalb eine Entwickelung eines derartigen Bausystems, zu welcher mindestens Jahrhunderte und eine räumlich weit ausgedehnte Bauthätigkeit gehören , hier nicht stattgefunden haben. Auch läßt die historisch begründete Thatsache, daß Gewölbebauten im Orient viel älter sind und dort eine frühere Entwickelung gezeitigt haben, nur die Annahme zu, daß hier ein zweiter Brennpunkt selbständiger Erfindung sich aufgethan habe, eine Annahme, welcher sehr wenig Wahrscheinlichkeit zuzuschreiben ist. —
Sodann ist das Vorkommen vulkanischer Baumaterialien überall ein zu sehr lokal begrenztes, als daß ihm ein weitgehender Einfluß auf ein allgemeines gültiges Constructionssystem zugeschrieben werden könnte; sein Einfluß hört auf, sobald das Heranschaffen des Materials mit Schwierigkeiten verbunden ist. — Endlich wird es sehr schwer, sich vorzustellen, daß aus dem in seinem inneren Gefüge gestaltlosen Gußgewölbe ein Uebergang in das Ziegel- oder Keilsteingewölbe stattgefunden habe, wohingegen zu der durch Gefügigkeit des Materials veranlaßten Vereinfachung der Gewölbeconstruction aus der Keilsteinform in die Gußform der Weg sehr leicht zu finden war. — Dagegen ist es wohl sicher, daß die Leichtigkeit und Bequemlichkeit der Ausführung, welche dem Gußgewölbe eigenthümlich ist, zur Herstellung von Gewölben in kolossalem Maaßstabe ganz besonders beigetragen hat. Können wir nun auch Italien nicht als die Heimath, des wichtigsten constructiven Productes der Ziegeltechnik anerkennen, so bleibt dennoch die italische Thätigkeit im Gebiete der Keramik eine höchst bedeutsame. — Vorzugsweise berühmt war bereits im Alterthum die hetrurische Töpferei, welche seit Urzeiten in Italien heimisch gewesen ist. Diese Kunst war unstreitig Gemeingut der indogermanischen Völkerstämme schon vor ihren Wanderungen. Die ältesten Töpfe der Germanen, Kelten, Italier, Pelasger sind einander sehr ähnlich und schwer von einander zu unterscheiden. Die in Italien und Griechenland eingewanderten Völker schritten, nachdem sie feste Sitze gewonnen, in der Cultur rasch vor, sie mögen in der Töpferei bereits vor ihrer Trennung von den nordischen Völkern weiter gewesen sein, als diese, denn auch die späteren italischen und griechischen Vasen haben viel Gemeinsames; aber bald gehen auch sie wieder verschiedene Wege. —
Während die Hellenen den Gesetzen ihrer eigenthümlichen, streng logischen Kunstbegriffe folgten, alles Willkürliche ausschlossen oder in sinnvolle Kunstsymbolik zurückführten, blieben die Italer den althergebrachten mehr willkürlichen Zierformen treu, hielten an Dem fest, was die Griechen als ihrem feinsinnigen Kunstgefühl Widersprechendes mit dem Ausdruck "barbarisch" bezeichneten. — Die hetrurischen Gefäßformen entbehren des elastischen Schwunges der hellenischen Linienführung, der feinen Harmonie zwischen den einzelnen Theilen. Die der Decoration zu Grunde liegenden Gedanken sind häufig dieselben, aber den Etruskern fehlt die Sicherheit der griechischen Kunstsymbolik, — es treten viele willkürliche Verzierungmotive auf, welche nur den Eindruck des Reichthums, der Fülle hervorbringen, ohne durch innere Bedeutsamkeit zu wirken. Dabei macht sich ein räthselhaftes Moment geltend, welches eben so schwer erklärlich erscheint, wie seitens der Griechen das Ausschliefen der Wölbung aus ihrer Bauconstruction. Es ist dies das grundsätzliche Verleugnen der Drehscheibe, dieses seit uralten Zeiten bekannten Instrumentes, welches die Herstellung von Hohlkörpern aus Thon so wesentlich erleichtert. Die Griechen benutzten die Drehscheibe sehr früh und gelangten dadurch zu einer außerordentlichen Reinheit und Einfachheit der Formen, denen sie eine höhere Bedeutung durch Beifügung aufgemalten und eingebrannten charakterisch-symbolischen Schmuckes gaben. — Die Etrusker dagegen verschmähten die Erleichterung, welche die Drehscheibe ihnen bot; sie formten ihre Gefäße noch bis in die Kaiserzeit aus freier Hand und versahen sie mit reichen plastischen Zierden, während die Malerei mehr untergeordnet blieb. — Aber der eigenthümlich hetrurische Styl wurde so beliebt und verbreitete sich so über die ganze alte Welt, daß zuletzt auch die attische Töpferei sich veranlaßt sah, die edleren hellenischen Principien aufzugeben und hetrurische Gefäße herzustellen.
Auch die andere Seite der Keramik, die Ziegelei, stand bei den italischen Völkerschaften seit uralter Zeit in Blüthe. — In den früheren Jahrhunderten scheinen die meisten Gebäude Roms , auch die Tempel aus Ziegeln mit Holzbalkendecken hergestellt worden zu sein, während Ziegelgewölbe hauptsächlich zu Nutzbauten Verwendung fanden (Kloaken etc.). Daß Gesimse und Akroterien auf dem Tempel des capitolinischen Jupiter aus Terracotta bestanden, ist constatirt. — Die Privathäuser waren wohl ebenso leicht aus Holz hergestellt und ebenso mit Terracottenschmuck versehen, wie die griechischen Wohnungen. — Auch in späterer Zeit, als Hausteine allgemein in Anwendung kamen, führte man vor allem für die gewölbten Bauten wenigstens den Kern der starken Mauern von Ziegeln aus und versah ihn nur mit einer Quaderbekleidung, so am Pantheon, an den Thermen etc. — Aus dieser späteren, schon dem reichen Rom angehörigen Zeit sind uns bis heut noch einige reine Terracottabauten übrig geblieben, an denen der Ziegel nicht mit Mörtel überzogen war und alle Architektur- und plastischen Formen von gebranntem Thon hergestellt wurden, so das Amphitheatrum castrense, der sogen. Tempel der Virtus und Honos, sowie der kleine, äußerst zierliche Rundbau, genannt Tempel des Deus ridiculus, u.s.w. — Ob die Beibehaltung des unscheinbaren Thonmaterials neben den glänzenden, anspruchsvollen Marmorbauten auf örtlichen, alt geheiligten Traditionen beruhte, oder welcher andere Grund dabei vorgewaltet haben mag, möchte gegenwärtig noch unentschieden sein. — Vielfältige Anwendung des einfachen Ziegels sowohl, als der formenreicheren Terracotta zeigen uns die zahlreichen Grabmäler, wohl meistens von Privaten errichtet, deren beschränktere Mittel die Herstellung prächtiger Monumente von kostbarem Stein nicht gestattet haben mag.
Die römischen Ziegel sind sorgfältig zubereitet und meistens gut gebrannt, gewöhnlich von fleischrother oder etwas dunklerer rother Farbe. — Es scheint, daß auch von Polizeiwegen streng auf gute Zubereitung des Ziegels gehalten wurde, denn wir kennen eine Vorschrift von Cato (dem älteren), nach welcher die Ziegel in ungebranntem Zustande (Luftziegel) erst 5 Jahre, nachdem sie gestrichen, vermauert werden durften. — Im Uebrigen bezeichnet Vitruv 2 Jahre Zeit des Trocknens als nothwendig für Luftziegel, immerhin in Anbetracht der Sommerwärme Italiens eine, wie uns scheint, überflüssig lange Frist. — Daß der Trockenproceß in gleicher Weise geduldig abgewartet wurde, wenn die Ziegel gebrannt werden sollten, ist mit Sicherheit anzunehmen. — Das Format der römischen Ziegel ist eigenthümlich und abweichend von demjenigen, welches sonst zur Herstellung eines regelmäßigen Ziegelverbandes gewählt wird. — Während die alt-ägyptischen Luftziegel 42 cm Länge, 21 cm Breite, 12 — 14cm Dicke zeigen, *) sind die römischen gebrannten Ziegel als flache Tafeln gestaltet, 65-68 cm im Quadrat groß und höchstens 4 cm dick. — Es liegt auf der Hand, daß solche Platten während des Streichens und Trocknens mit großer Sorgfalt und Vorsicht behandelt werden mußten, um Zerbrechen und Werfen zu vermeiden, daß sie ferner sehr starker Mörtelfugen bedurften, um den Druck im Mauerwerk gleichmäßig auf die Fläche zu vertheilen. — In der That findet sich in allem r ömischen Ziegelmauerwerk die Mörtelfuge mindestens der Ziegeldicke gleich, gewöhnlich noch stärker, so daß die größere Masse des Ziegelmauerwerks aus Mörtel besteht. — Es mag dies in innigem Zusammenhange mit der bereits besprochenen Eigonthümlichkeit des mit Hülfe vulkanischer Materialien hergestellten römischen Mörtels stehen.
Von den Dimensionen des Ziegels ist es namentlich die Dicke, welche aus Rücksicht auf den Brennproceß beschränkt werden muß, aber unerklärlich bleibt es uns vorläufig noch, weshalb sich die Römer der scheinbar nutzlosen Mühe unterzogen, so große Tafeln von Thon herzustellen, die sich sehr schwer gerade halten ließen, da doch in ihrem vorzüglichen Mörtel kleinere Ziegel ganz dieselbe Festigkeit geboten haben würden. — Uebrigens finden wir dieselbe Eigenthümlichkeit des römischen Ziegelmauerwerks, — die dünnen großen Ziegeltafeln mit den dicken Mörtelfugen — überall auch außerhalb Italiens, wo die römische Herrschaft hingedrungen war und sich durch Bauten verewigte. — Von den römischen Ziegelbauten ist ebenso wie von den griechischen nur wenig übrig geblieben, meistens nur die rohen Mauerkerne kolossaler Massenanlagen, welche, durch Natur- oder durch Menschenhand der schützenden Stuckdecke oder der Steinbekleidung beraubt, nackt stehen geblieben sind, um allmählig der
*) Mesopotamische Luftziegel: 42 cm, 13-18 cm dick. Dsgl. Brandziegel zum Verblenden 29-30 cm, 6 ½-8 cm dick, in der Dicke also unseren nordischen Ziegeln entsprechend.
Verwitterung anheim zu fallen. — Am wenigsten erhalten ist der aus Terracotta gebildete architektonische und plastische Schmuck. — Dieser fiel am leichtesten der Zertrümmerung anheim, einerseits deshalb, weil er ebenso wie in Griechenland als Bekleidung der Holzconstructionen verwendet wurde und bei deren Zerstörung ebenfalls der Zertrümmerung unterlag, andererseits aber aus einem anderen Grunde, welcher gleichzeitig ein sehr charakteristisches Moment der antiken Keramik überhaupt repräsentirt. — Fast alle antiken keramischen Producte sind nur schwach gebrannt und fallen daher, der Luft und der Nässe aus gesetzt, sehr bald der Zerstörung durch den Frost anheim. — Das Brennen ist die schwierigste Manipulation der keramischen Technik, und blieb durch das ganze Alterthum hindurch die schwächste Seite der Praxis. Zwar waren die verarbeiteten Thone meistens solche, welche nur eines geringen Feuergrades bedurften, um zum Schmelzen zu gelangen, dennoch hat man es vermieden, die Hitze so weit zu steigern, daß Sinterung und in deren Gefolge Formveränderungen eintreten konnten.
Weitere QUELLEN:
Heinrich Nissen (* 3. April 1839 in Hadersleben; † 29. Februar 1912 in Bonn) war ein deutscher Althistoriker.
Seine Eltern waren Lars Hansen Nissen (1800–1875) und Anna Elisabeth geb. Petersen (1801–1878). Heinrich Nissen war das jüngste von drei Kindern. Von seinem älteren Bruder Caspar Nissen ist bekannt, dass er ein angesehener Arzt war, später Leiter eines Tropenkrankenhaus in Shanghai war, dort verstorben ist und in Hongkong ein heute noch existierendes Ehrengrab erhalten hat.[1]
Pompeianische Studien. Leipzig 1877. WIKILINK
Kapitel I., S. 22 = /archive.org/details/
Die Verwendung gebrannten Steins beginnt bei dem
Dache und schreitet dann zur Construction von Säulen fort. Die
Basilica bietet hiervon das älteste Beispiel, welches dem 2. Jahrhundert V. Chr. angehört, und geraume Zeit hindurch das einzige.
Offenbar war es die Colossalität der Säulen, welche den Tuff hier verschmähen und ein dauerhafteres widerstandsfähigeres Material
wählen ließ. In dem gewöhnlichen Bau macht die Tuff- der
Backsteinsäule erst seit dem Beginn der Kaiserzeit Platz, um dann
allerdings vollständig von ihr verdrängt zu werden.
Der gebrannte Mauerziegel läßt sich zuerst an einigen Thürmen
der Stadtmauer und in den Bauwerken der sullanischen Colonie,
dem Kleinen Theater und den Forumsthermen nachweisen. Aus
gedehnter kommt er in dem Gebäude der Eumachia vor, am aus
gedehntesten in den Neubauten seit 63. Es ward S. 22 bemerkt,
daß er schwerlich in dem Gebiet der Stadt fabricirt, sondern aus
einiger Entfernung herbeigeführt wurde. Daraus erklärt sich, daß
man weit sparsamer mit ihm umgeht als wir zumal nach nordischen
Anschauungen erwarten würden. Von der vollendeten Technik des
Rohbaus, deren bekannteste Beispiele das amphitheatrum castretise und das als Tempel des Deus rediculus benannte Grab zu Rom
sind, begegnen nur zwei kleine Stücke an Häuserfassaden. Gebäude, die durchweg aus Backstein aufgeführt wären, kommen in
Pompeji nicht vor; vielmehr werden die fortlaufenden Mauern durchaus mit Bruchstein errichtet und nur die Ecken, Kanten und frei
stehenden Pfeiler, die aus unregelmäßigem Bruchstein sich nicht
schichten lassen, mit Ziegeln eingefaßt. Je reichlicher der Backstein verwandt wird, desto solider und opulenter ist der Bau.
S. 63 = § 9. Topfbau.
archive.org/details/
Der gebrannte Stein hat sich von je großer Beliebtheit bei den
Pompejanern erfreut. Seine ausgedehntere Anwendung ward während der Republik durch den Kostenpunct erschwert. Nach Cato
RR. 14 kostet der platte Dachziegel einen Sesterz, der Hohlziegel
das Doppelte. Ruggiero a. O. p. 12 erzählt, dass im Peristyl der
casa di Caio Vibio mehrere zerbrochene Ziegel sorgsam mit Blei ausgebessert waren (Ansicht des Daches bei Overbeck³ p. 226).
Es ward S. 52 bemerkt, daß im Bruchsteinbau recht alten Datums
bereits versprengte Ziegelbrocken angetroffen werden: ich wüßte
hierfür keinen anderen Grund, als daß man in Erinnerung an das
schwere Geld, welches einstens dafür gezahlt worden, die Scherben
in irgend einer Weise verwerten wollte. Einer entwickelteren Technik gehört es an schadhafte Amphoren zu vermauern; da im Altertum die Stelle unserer Holzfässer durch Thongefäße eingenommen
wird, konnte es hieran nicht fehlen. Breton³ p. 289 Anm. bezeugt, dies an verschiedenen Puncten bemerkt zu haben. Semper,
der Stil I p. 328 erwähnt eine assyrische Mauer, die ganz aus
Töpfen besteht. Dem Orient wird vermutlich der glückliche Gedanke
angehören durch planmäßige Verwendung von Töpfen die Gewölbe
zu entlasten. Pompeji hat zwei Beispiele dieser Construction auf
zuweisen: einmal in den Stabianerthermen (Kap. VII) und dann die
Kuppel eines Töpferofens vor dem Herculaner Thor.
Blümner, Hugo. Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern (Band 2) — Leipzig, 1879. UNI Heidelberg (HEIDI) LINK neues Fenster
Derselbe: Band 3, Seite 90. Luftziegel u. Backstein ... LINK neues Fenster
Das Macellum von Pompeji.
Nach Meinung einiger Archäologen ist dieses das wohl schönste Beispiel einer Mauer aus der letzten Bauphase Pompejis. [4] Es schließt sich eine Mauer aus opus incertum an (deutlich älteres Mauerwerk, wohl aus einer älteren Bauphase). WIKILINK

Das Macellum von Pompeji befand sich am Forum und war als Lebensmittel-Markthalle (Macellum)
der antiken Stadt, ein zentraler Ort Pompejis. Quelle: WIKIPEDIA
Gronenfelder Werkstätten