Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

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d. Vollziegelbau oder Bau mit hohlgebrannten Terracotten.

Daß der Vortheil, wenn man die ästhetische Seite vorzugsweise in Betracht zieht, entschieden auf Seite des Baustückenbaues liegt, dürfte aus dem Vorangegangenen unbestreitbar hervorgehen. Es ist wohl nicht zu leugnen, daß die architektonische Formenbildung aus Vollziegeln sehr viel magerer ausfällt, daß die Phantasie des Künstlers sich von allen Seiten eingeengt und gefesselt sieht, wenn sie blos mit dem kleineckigen Vollziegel arbeiten darf, daß der Architekt sich gezwungen sieht, an Stelle frei sich aufschwingen der Phantasie ein spitzfindiges Spiel des Denkens zu setzen, indem er sich bemühen muß, in der Zusammensetzung der wenigen gegebenen kleinen Formenmotive alle möglichen Combinationen zu finden. —

So Bedeutendes im Vollziegelbau von tüchtigen und begabten Architekten namentlich in der Neuzeit auch geleistet worden ist, so wird es doch immer ein vergebliches Beginnen bleiben, den höchsten Aufgaben der Architektur mit so beschränkten und schwer zu handhabenden Mitteln, mit einem so spröden und wenig ausgiebigen Materiale zu genügen. Namentlich schwer wird es, wenn die Formenbildung sich an die antiken Schemata anlehnt, und wenn wir die Anhänger des Vollziegelbaues sich vorzugsweise an die mittelalterliche Ziegelgothik anschließen sehen, so findet dies nicht allein seinen Grund darin, daß auf diesem Gebiete dem Architekten eine Tradition, ein Cyclus eigens für den gleichen Zweck früher ausgebildeter Formen helfend und erleichternd zur Seite steht, sondern es ist dem Umstande ein großes Gewicht beizumessen, daß die mittelalterlichen Bauformen überhaupt nach ihrem ganzen Habitus sich leichter für die Uebersetzung in den Ziegelbau eignen, als die antiken Formen, daß sie, das Princip der Gewölbeconstruction, die Elemente der Bogenformen und der wenig ausladenden Gesimse u.s.w. bereits in ihr Formensystem einschließend, von vornherein eine größere Verwandtschaft zum Wesen des Backsteinbaues zeigen, daß daher wohl eine Umbildung, aber nicht eine völlige Neubildung der architektonischen Formen für die Anwendung des Ziegels nothwendig wird. Indessen auch diese Umbildung der Formen führt, wie bei der Betrachtung der mittelalterlichen Ziegelgothik dargethan wurde, fast überall zur Verkümmerung, und auch die Leistungen der Neuzeit haben trotz allen Talentes der Architekten, welche sich dem Vollziegelbau mit Vorliebe zugewandt, kein wesentlich besseres Resultat zu Tage gefördert.

Es kommt freilich sehr wesentlich auf die Bestimmung des Gebäudes und die daraus resultirende architektonische Haltung desselben an. Für Gebäude, welche vermöge ihrer Bestimmung einen ernsten Charakter tragen, in einfachen, auch wohl schweren Formen erscheinen sollen, für Befestigungswerke, Stadtthore, Gefängnisse, Kaufhäuser, Kasernen, für Verwaltungsgebäude und solche Bauten, welche vorzugsweise Zwecken des gemeinen Nutzens dienen, wie Magazine, Fabriken, Lagerhäuser etc., eignet sich der Vollziegelbau vorzüglich, wie hunderte von Beispielen lehren, von den äußerst edlen und würdigen Stadtthoren der mittelalterlichen Städte an bis zu den Locomotivschuppen und Gasometern der Neuzeit. — Aber wenn die Architektur Ziele verfolgt, welche vorzugsweise architektonische Schönheit, Feinheit und Reichthum der Einzelformen beanspruchen, bei der Errichtung von Palästen, öffentlichen Gebäuden für idealere Zwecke, Kirchen, da vermag der Vollziegelbau mit seinen mageren, ärmlichen Formen den Anforderungen des ästhetischen Gefühls nicht mehr Folge zu leisten, es sei denn, daß man die hauptsächlich sprechenden Bautheile, diejenigen, in welchen der architektonische Gedanke vorzugsweise Ausdruck findet, aus einem anderen Materiale, aus Stein bilde, den Ziegel für die künstlerische Behandlung erst an zweiter Stelle auftreten lasse. In diesem Falle aber wird von einem Backsteinbau im eigentlichen Sinne des Wortes nicht mehr die Rede sein können.

Vielleicht aber sind es andere, practische Gesichtspunkte, Rücksichten auf Construction, Fabrikation, klimatische Verhältnisse, auf die Eigenart des Materials, welche es rathsam erscheinen lassen, den Vollziegelbau mit starrer Consequenz beizubehalten und auf den Bau mit hohlen Baustücken zu verzichten. — Allerdings wird dies vielfach behauptet. Zunächst, so sagt man, sei es in constructiver Beziehung dringend nothwendig, den regelmäßigen Schichtenverband consequent durchzuführen, darauf vorzugsweise beruhe die Festigkeit des Mauerwerks; durch das Einschalten größerer Baustücke werde ein gleichmäßiges Setzen des selben verhindert und dadurch der Zusammenhang des Ganzen gefährdet. — Es möchte darauf zu erwidern sein, daß derartige Unterbrechungen des Schichtverbandes überhaupt nicht zu vermeiden sind, sobald man nicht blos einfache, glatte Mauern herstellt. Jeder Bogen, welcher in die Mauer eingewölbt wird, jedes Gesims, welches vom strengen Schichtenverbande abweicht, jeder Bogenfries, ja jede Rollschicht, jede Stromschicht hochgestellter Ziegel unterbricht den Verband. Auch zeigt die Erfahrung, daß eine eiserne Consequenz in der Durchführung des Schichtverbandes keineswegs nothwendig ist, um die Festigkeit des Mauerwerks zu sichern.

Es ist Maurerregel, streng auf Verband zu halten, weil die Ziegel durchweg gleiche Größe und Dicke haben; die Regelmäßigkeit des Verbandes ist ein sicheres Merkmal sorgfältiger Ausführung, wird daher Ehrensache für den ordentlichen, sein Fach beherrschenden Maurer, ebenso wie Correctheit in Sprache und Styl für jeden Gebildeten. Sobald der Mauerstein nicht in durchgehends gleicher Dicke vorhanden ist, legt man keinen Werth auf strenge Durchführung gleichmäßig dicker Schichten, unbeschadet der Festigkeit des Mauerwerks. Baut man endlich mit Haustein quadern, so besteht fast immer nur eine äußere, oft ziemlich schwache Verblendung aus Werkstein, die Mauermasse dahinter besteht fast ausnahmelos aus Ziegel- oder Bruchsteinmauerwerk. Nimmt man hiervon, auch wenn es sich um die werthvollsten monumentalen Gebäude handelt, keinen Anstoß, trotzdem der Widerspruch zwischen Verblendung und Hintermauerung sich auf die gesammte Höhe des Mauerwerks erstreckt, so wird man einen Backsteinbau nicht deshalb tadeln dürfen, wenn die Unterbrechung des Schichtverbandes nur an den Gesimsen etc. stattfindet. — Steht doch bei der Ausführung meistens auch der Ausweg offen, das Gesims erst nachträglich einzusetzen, nachdem das Setzen des Mauerwerks bereits zum Abschluß gelangt ist.

Man hat ferner behauptet, daß dieselbe Veranlassung, welche im Mittelalter zum Festhalten am Vollziegelbau führte, die Rauhigkeit des Klimas nämlich, auch gegenwärtig in gleicher Weise fortwirke, daß es nicht möglich sei, Hohlkörper von gebranntem Thon in solcher Festigkeit herzustellen, um dem Winterfroste mit genügender Sicherheit widerstehen zu können, weil in den Hohlräumen sich leicht Wasser ansammelt, welches gefriert und alsdann die Thonwandungen zersprengt. Es ist nicht zu leugnen, daß eine zweckmäßige Gestaltung der Hohlkörper gefordert werden muß, um das Eindringen des Wassers durch ungenügend geschlossene Vertikalfugen in die Innenräume zu verhindern. Daß dies aber durchführbar ist, hat die Erfahrung längst bewiesen. Im Uebrigen bietet der Bau mit größeren hohlen Baustücken immerhin den Vorzug, daß die Anzahl der vorzugsweise den Witterungseinflüssen ausgesetzten Vertikalfugen eine weit geringere wird, als am Vollziegelbau, welcher für die größeren Gliederungen der Rollschichten nicht entbehren kann. Der Mörtel aber bleibt, was Wetterbeständigkeit anbetrifft, immer noch das unzuverlässigste Baumaterial und muß demgemäß den Einwirkungen der Witterung möglichst entzogen werden. — In Bezug auf Wetterbeständigkeit möchte dem nach der Vollziegelbau keinen Vorzug beanspruchen dürfen.

Es ist ferner zur Rechtfertigung einer strengen Durchführung des letzteren gesagt worden: man möge einen Unterschied machen zwischen Bauausführungen in großen Städten und solchen auf dem Lande; seien auch einige Fabriken vorhanden, welche größere Terracotten in vorzüglicher Beschaffenheit und mit großer Sicherheit herzustellen vermögen, so seien diese doch so selten und ihre Leistungsfähigkeit reiche für einen größeren Bedarf bei Weitem nicht aus; eine allgemeine, volksthümliche Ausbildung des Backsteinbaues sei nur dann zu erwarten, wenn die Ansprüche des Baumeisters derartig eingeschränkt würden, daß sie von jeder gutgeleiteten Ziegelei befriedigt werden könnten. Daß man mit gegebenen Factoren arbeiten, daß man sich nach der Decke strecken muß, daß man daher in Gegenden, in welchen die Thonwaarentechnick noch auf niedriger Stufe steht, mit dem Erreichbaren auszukommen suchen muß, wird kein Einsichtiger leugnen. — So richtig aber dies, so falsch würde es sein, aus dieser gezwungenen Einschränkung die Regel abzuleiten, daß man für die Entwickelung des Backsteinbaues überhaupt keine weiteren Anforderungen stellen dürfe. Das würde gleichbedeutend sein mit freiwilligem Beharren in einem unvollkommenen, unentwickelten Zustande, das wäre nicht nur Stillstand, sondern eine Selbstfesselung. Je niedriger man sich die Ziele des Strebens steckt, desto weniger wird man erreichen, und von einer Entwickelung kann überhaupt nicht mehr die Rede sein, wenn der Architekt auf die Form verzichtet; es wäre dasselbe, als wenn der Dichter auf die wohltönendsten Worte der Sprache verzichten wollte.

Nicht jeder Steinbruch giebt vorzügliche Quadern, ja in den an Werksteinbrüchen reichsten Gegenden muß immer eine sorgfältige Auswahl getroffen werden, und nicht jedes Flötz in demselben Steinbruche giebt gleich gute Steine. — Was würde man sagen, wenn Jemand den Satz außtellen wollte: der Architekt dürfe nicht mehr verlangen, als jeder Steinbruch bei zweckmäßigem Betriebe herzugeben vermag? Betrachtet man nun gar unsere Ziegelindustrie, wie sie sich gegenwärtig herausgebildet hat, so wird sich das, was jede gut geleitete Ziegelei leisten könne, in eigenthümlichem Lichte darstellen. Der Zug der Industrie geht heutzutage einerseits auf Pflege von Specialitäten, andererseits auf Massenproduction hinaus, auch im Betriebe der Ziegeleien. Mit der Massenproduction, welche gegenwärtig fast zur allgemeinen Regel geworden ist, verträgt sich aber schlecht eine eingehende, sorgfältige Behandlung des einzelnen Ziegels. Sowohl bei dem Streichen aus der Hand, als bei dem Maschinenbetriebe der Ziegelpressen gilt es hier, schnell zu arbeiten. Hat der Ziegel nur im Allgemeinen die richtige Größe und Form, um einen regelmäßigen Verband zu gestatten, ist er ferner nur genügend gut gebrannt, so ist man zufrieden und verzichtet gern auf zeitraubendes und kostspieliges Nachbessern der Form. Solche, auf Massenproduction gestellte Ziegeleien sind vermöge ihrer wirthschaftlichen Principien gar nicht in der Lage, Formsteine hervorzubringen, und überlassen dies gern solchen Ziegeleien, welche sich besonders darauf eingerichtet haben, die Herstellung von Formsteinen als Specialität zu pflegen.

Hierzu kommt noch, daß, wie bereits früher berührt worden, es viele Thonlager giebt, welche einen immerhin noch sehr brauchbaren, oft sogar vorzüglichen Ziegel gewöhnlicher Form geben, jedoch für Formsteine nicht geeignetes Material besitzen, denn zu letzteren wird immerhin ein fetterer reinerer Thon erfordert. Es sind demnach die meisten Ziegeleien entweder aus wirthschaftlichen Rücksichten oder vermöge des ihnen zu Gebote stehenden Materials gar nicht in der Lage, gute Formsteine zu produciren, vielmehr fällt diese Thätigkeit ohnehin schon einzelnen, besonders hierzu geeigneten Werken zu, welche dann einen größeren Umkreis mit Formsteinen zu versorgen haben. Ist aber eine Ziegelei einmal auf die Herstellung von Formsteinen eingerichtet — und dazu muß die gesammte Fabrikationsweise, die Behandlung des Thones, die Trockenvorrichtung, die Construction der Brennöfen eine andere sein, als für die Massenziegelei — dann sind nur noch wenige Schritte zurückzulegen, um zur Fabrikation hohler Baustücke zu gelangen.

Somit möchte von keiner Seite her ein Grund vor liegen, welcher den Architekten zwänge, grundsätzlich sich auf den Vollziegelbau zu beschränken, grundsätzlich die Anwendung hohler Baustücke auszuschließen. Wenn die Culturverhältnisse irgend einer Gegend dazu zwingen, mit nur sehr einfachen Formsteinen oder gar ganz ohne solche zu bauen, so wird der Architekt zusehen müssen, wie er mit dem zu Gebote stehenden Materiale auskommt, wird sich begnügen müssen, damit das relativ Beste zu erreichen; aber er wird allmälig, je nach den Fortschritten der Backsteintechnik, seine Ansprüche steigern dürfen. Dieselben so hoch zu spannen, daß die Technik nicht folgen kann, würde Thorheit sein, denn dies würde nur architektonische Mißgeburten zu Wege bringen. Ebenso fehlerhaft aber wäre es, sich das Ziel der Entwickelung willkürlich niedriger zu stecken und auf die Formenentwickelung zu verzichten, welche allein das hohlgeformte Baustück gestattet. Möge Keiner sich selbst täuschen! Der Künstler ist gar zu oft geneigt, sein Werk durch die Brille der Werkstatt anzusehen und sich mit der Schwierigkeit, welche die Beherrschung des Materials bietet, über die Unvollkommenheit seiner Leistungen zu trösten. Es ist ein falscher Standpunkt, wenn gesagt wird, man dürfe an den Ziegelbau nicht die hohen Ansprüche in Bezug auf Ausbildung der Formen, auf Feinheit und Klarheit derselben stellen, wie wir für den Werksteinbau thun, das Auge gewöhne sich daran, an Ziegelbauten weniger auf die Detailformen als auf die Wirkung der Massen Gewicht zu legen, man solle an ein Material nicht höhere Ansprüche stellen, als es seiner Natur nach zu leisten vermöge. —

In solchen Fragen, für deren Beantwortung der Künstler sehr leicht durch Rücksichten des Machens befangen ist, thut man sehr wohl, sich an das unbefangene Urtheil gebildeter Laien zu wenden, und hört man dies, so wird man bald erfahren, daß man, sofern die Beschränkung auf den Vollziegelbau consequent durchgeführt wird, trotz aller Harmonie in der Anordnung der Massen, trotz aller sinnreichen Combinationen in Gesimsen, Außätzen, Erkern und Gallerieen, trotz Uebereckstellungen, Unterschneidungen, Abfasungen und Auskehlungen der mannigfachsten Art, trotz allen Reichthums in Friesen und Flächenfüllungen, trotz allen Wechsels in Farben und Glasuren, endlich trotz aller Feinheit der Ausführung es doch nicht weiter bringt, als zu einem reichen und eleganten Rohbau, weil die Formenentwickelung fehlt, welche nur mit Hülfe angemessen großer Werkstücke möglich wird. Wer daher auf die Anwendung größerer Stücke glaubt verzichten zu müssen, der giebt damit zugleich eine Inferiorität des Backsteinbaues zu, der verzichte dann aber auch darauf, monumentale Gebäude überhaupt als Backsteinbauten herzustellen.

Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

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e. Die Polychromie des Backsteinbaues.

Als eine sehr wesentliche und charakteristische Eigenthümlichkeit des Backsteinbaues ist noch hervorzuheben die Möglichkeit, mittelst desselben eine Mehrfarbigkeit der Facaden herzustellen, welche sich vollkommen dauerhaft und wetterbeständig zeigt. — Im Alterthum war die Vielfarbigkeit der Außenarchitektur durchaus Regel; man trug die Pigmente in möglichst haltbarer Weise auf (Enkaustik), und erneuete den Wachsfarbenanstrich, sobald derselbe von den Einflüssen des Wetters zerstört war. — Wie selten dies nothwendig gewesen sein mag, kann wohl daraus geschlossen werden, daß heut noch, also nach Jahrtausenden, an geschützten Stellen Spuren der aufgetragenen Farben gefunden wurden. — Das Bedürfniß einer polychromischen Behandlung der Facaden blieb dem Sinne der südlichen Völker erhalten, jedoch suchte man wohl bereits in den römischen Zeiten, sehr entschieden aber im Mittelalter in Italien eine beständigere Farbengebung durch Incrustation mit farbigen Steinen herzustellen, ein Verfahren, welches namentlich in Venedig mit ausgesuchtem Raffinement zur höchsten Stufe des Luxus getrieben wurde, derartig, daß die Formengebung vernachlässigt und das Farbenspiel kostbarer bunter Marmorplatten zur Hauptsache wurde. —

Im Norden aber ließ man für den Steinbau die Farbengebung der Facaden gänzlich fallen, wurde vollständig indifferent gegen die Farben und hielt sich lediglich an die Formen, denn keine Malerei, kein Anstrich vermag auf die Dauer dem nordischen Winter zu widerstehen. Buntfarbige Steine (Marmor, Porphyr etc.) entwickeln ihre Farben in wirkungsvoller Intensität erst dann, wenn sie polirt sind; in nur glattem Zustande der Steinflächen verblassen sie zu völliger Bedeutungslosigkeit. Wer vermöchte aber, Facaden von polirtem Stein, — und meistens sind es nur die härtesten Steine, welche schöne Politur annehmen — herzustellen? Unsere porösen Sand- und Kalksteine nehmen sehr bald von Staub und Rauch eine dunkle, mit Hülfe der darauf wachsenden Algen ins Grünliche spielende Färbung an, so daß die ursprüngliche Naturfarbe ganz verdeckt wird, und wir sind so sehr an die dadurch hervorgerufene graue Eintönigkeit gewöhnt, daß wir schließlich uns einbilden, die verräucherten und verschwärzten Facaden sähen um so ehrwürdiger aus. — Indessen nicht ganz ist der Sinn für Färbung verloren gegangen; gewöhnte man sich nach vergeblichem Kampfe mit den zerstörenden Naturmächten auch an den Verzicht auf Farbenwechsel, so erfreut man sich doch an einem wohlthuenden Localtone, welchen die Natur dem Steine mitgegeben hat. Wir bewundern die Wirkung der herrlichen Bronzefarbe des Sandsteines aus dem Wasgau am Straßburger Münster, den tiefen, ernst-würdigen Farbenton des römischen Travertius am Petersdome; aber unsere Bewunderung gilt freilich weniger dem Künstler, als der Natur, welche mit der Färbung des Materials dem Künstler freundlich zu Hülfe kam.

Bietet sich jedoch die Möglichkeit, einen Wechsel verschiedener Farben in dauerhafter Weise herbeizuführen, so tritt sofort das Bestreben nach polychromischer Behandlung der Facaden wieder hervor; und hierzu giebt der Backstein erwünschte Veranlassung. — Ueber die Art und den Charakter der Backsteinfarben ist früher schon Näheres gesagt; es erübrigt hier nur noch, von der Anwendung dieser Farben zu sprechen, und hierzu werden wenige Worte genügen.

Betrachten wir eine Hausteinfacade, bevor noch die Zeit den Hauch ihrer ausgleichenden Staub- und Rauch-Patina darüber gelegt hat, so werden wir durch die Ungleichmäßigkeiten der Färbung, durch die Streifungen und Aderungen des Steines, sofern diese nicht allzu grell auftreten, gewöhnlich nicht gestört; dieselben wirken sogar meistens wohlthuend, belebend, ohne der Ruhe des Ganzen Eintrag zu thun. — Ganz anders verhält sich eine Backsteinfacade. Auch in dieser zeigen sich Wechsel und Abstufungen in den Färbungen, wenn die Ziegel nicht mit äußerster Sorgfalt nach der Farbe sortirt worden sind, und selbst dann noch. Aber diese Farbenwechsel wirken grell und unruhig, auch wenn sie ansich nicht bedeutend sind. Der Grund mag darin zu suchen sein, daß an den Kanten der Ziegelflächen die Uebergänge plötzlich stattfinden, die in den größeren Steinflächen der Hausteinfacade allmälig in einander verlaufen. Selbst eine abweichende Färbung der Fugen vermag nur wenig die Unruhe einer nicht ganz gleichmäßig gefärbten Backsteinmauerfiäche zu dämpfen.

Dazu kommt noch, daß die Textur der Ziegeloberfläche in dieser Beziehung mitwirkt. Durch das Lüster eines schärferen Brandes, mag es noch so leise sich bemerklich machen, wird die Farbe entschieden lebhafter und leuchtender, so daß sie schon dadurch gegen eine rauhere, porösere, weniger scharf gebrannte Ziegelfläche absticht, während an der Hausteinfassade der Charakter der Oberfläche des Steines völlig gleich bleibt. — Eine Hausfassade in Berlin, welche mit hellgelben sehr sorgfältig sortirten Ziegeln verblendet ist, zeigt dennoch eine sehr unangenehme, unruhige Horizontalstreifung, weil die Läuferschichten ein anderes Lüster zeigen, als die Strecker, wahrscheinlich in Folge des Durchganges durch die Ziegelpresse, wobei die Langseiten glatter hergestellt wurden, als die durch Zerschneiden des Thonstranges hergestellten Ziegelköpfe. Ergiebt sich hieraus schon die Nothwendigkeit, ein durchaus gleichmäßig hergestelltes und sehr sorgfältig sortirtes Material für Backsteinfacaden zu verwenden, so steigert sich dieselbe noch dadurch, daß die Einflüsse der Zeit sich auf verschiedenes Material in verschiedener Weise geltend machen. — Dies bezieht sich vorzugsweise auf hellfarbige Ziegel. — Die porösere Oberfläche des schwächer gebrannten Ziegels nimmt Staub und Rauch ebenso auf, wie die feinen Wurzeln niederer Pflanzengebilde; auf ihr bildet sich daher die besprochene Patina ebenfalls, läßt den Ziegel grau und farblos erscheinen. — Die gesinterte Oberfläche des scharf gebrannten Ziegels aber ist unveränderlich, behält ihre leuchtende Farbe trotz aller Einflüsse der Zeit und des Wetters, so daß an Mauerflächen aus solchen Ziegeln nur die porösen Mörtelfugen nachdunkeln.

Demnach muß im Laufe der Zeit das unruhige Aussehen einer Backsteinfacade sich steigern, wenn eben nicht mit größester Sorgfalt die einzelnen Ziegel ausgewählt sind. Auf ein so mühsames Verfahren wird man freilich an Gebäuden, welche nicht gerade vorzugsweise auf ungetrübt reine Schönheit Anspruch machen sollen, wenig Werth legen, desto mehr aber, wenn dieser Eindruck verlangt wird. Die große Sorgfalt und die höheren Kosten belohnen sich dann dadurch, daß eine solche Fassade sich unverändert frisch und neu im Laufe der Zeiten erhält.

Kehren wir aber zur Farbengebung selbst zurück. — Bei Anwendung des Backsteines gebietet der Architekt (mit gewissen Einschränkungen) frei sowohl über Formen als über Farben. Durch den Wechsel weniger verschiedener Farben schon lassen sich bedeutende Effecte erzielen. — Als ein großer Vortheil ist es schon anzusehen, daß man, abgesehen von der bereits früher besprochenen Streifung, die Umrahmung der Oeffnungen durch andere Farben bezeichnen, daß man Einfassungen von Füllungen dadurch kräftig unterscheiden, daß man die Gesimse durch abweichende Färbung noch mehr hervorheben kann. Zu solcher Wirkung gehören nur wenige, kräftig von einander sich unterscheidende Farbentöne, wie solche in den Naturfarben des Thones gefunden werden. — Man bleibt dabei aber nicht stehen; die Engobirungen und Glasuren eröffnen ein weites Feld, um zu einer vollständigen und reichen Polychromie, einschließlich einer wirklichen Malerei vorzuschreiten. — Welche Farben und Farbencontraste hierbei gesucht und gepflegt werden müssen, darauf kann hier nicht näher eingegangen werden, das hängt hauptsächlich von der Individualität und dem feinen Tacte des Architekten ab. — Es ist der Phantasie ein so weiter Raum der Bewegung geboten, daß es angemessen erscheint, schon von vornherein vor dem Zuviel, vor falschen Wegen zu warnen.

Ganz besonders gilt dies für die Glasuren, mit deren Hülfe helle Töne um Vieles leuchtender, dunkle um Vieles tiefer hergestellt werden. Aber der spiegelnde Glanz tritt der Form feindlich gegenüber, und beide Elemente mit einander zu harmonischem Zusammenwirken zu versöhnen, ist eine bedeutsame Aufgabe des Architekten. — Wie in der Decoration der Räume mit polirten Steinen vorzugsweise die architektonisch neutralen Flächen den Spiegelglanz erhalten, so muß in ähnlicher Weise mit den Thonglasuren verfahren werden. — Streifen und Muster aus farbig glasirten Ziegeln nur in die Flächen einzulegen und dabei mit den Glasuren sparsam zu verfahren, muß als Regel gelten. — Sollen Polituren und Glasuren angenehm wirken, so müssen sie im Schatten bleiben; heller Sonnenschein ruft so stechende und giftige Reflexe hervor, daß das Auge sich geblendet abwenden muß; nicht nur die Formen, sondern auch die Farben werden dadurch getödtet. — Auch die Majoliken dürfen nur mit großer Vorsicht in Anwendung gebracht werden, wo möglich nur in der Fläche oder in flacherem Relief. — Kräftig hervortretende plastische Formen werden einerseits durch den Glasurüberzug zu stumpf und bieten andererseits zu viele einzelne spiegelglänzende Reflexpunkte, so daß man zu einem rechten Genuß der Formen nicht kommen kann. Sehr vortheilhaft zeigt sich die Wirkung, wenn, wie bereits früher erwähnt, nur die glatten Grundflächen mit Glasur versehen werden, von denen unglasirte hellfarbige Reliefformen sich abheben; der Grund zeigt sich dann meistens tiefdunkel, selbst wenn die Glasurfarbe ziemlich hell gehalten ist. —

Abwechselung zwischen glasirten Flächen und unglasirten Formen ist immerhin anzustreben und sichert am meisten eine kräftige, volltönende und doch harmonische Wirkung. — Von sehr großem Vortheile wäre es, wenn man die Herstellung der Glasuren derartig in der Gewalt hätte, daß dieselben nicht zum vollständigen Glasfluß, sondern nur bis zum Beginn der Sinterung gebracht würden, wobei ein matter Glanz entsteht, etwa wie der der Eierschalen, ein Lüster, welches nicht spiegelnden Reflex gestattet, dennoch aber die Farben in voller Gluth wirken läßt, wie die eines Oelgemäldes. — Aber ein solches Lüster mit Sicherheit herzustellen, hat noch nicht recht gelingen wollen; es wird meistens nur bei sehr schwerflüssigen Glasuren erreicht. Für Architekturzwecke muß aber meistens ein leichter flüssiger Thon verwendet werden, welcher naturgemäß auch nur leichter flüssige Glasuren verträgt. Außerdem wird die Farbenscala, je höher der Hitzegrad des Schmelzens, um so enger, die Farben selbst, wenigstens manche Pigmente, um so matter, so daß wir hier vor einer Aufgabe stehen, in deren Lösung die Technik noch weit hinter den Anforderungen der Architekten zurück geblieben ist.

Die griechischen Terracotten entbehren durchaus der glasglänzenden Glasuren, obgleich den Griechen die Herstellung derselben ohne Zweifel bekannt war. Bei dem außerordentlich feinen Formensinne der Hellenen darf dies uns nicht überraschen, die Thatsache darf uns aber ein Fingerzeig mehr sein, daß wir alle Ursache haben, in der Anwendung der Glasuren große Vorsicht zu beobachten. Je sparsamer man dieselben anbringt, desto sicherer wird man auf die Wirkung derselben rechnen können, und es wird immer besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, um diejenigen Stellen herauszufinden, an welchen die Nachtheile derselben für die architektonische Wirkung zurücktreten, die Vortheile aber sich in vollem Maaße zeigen. Noch möge hier des Umstandes Erwähnung geschehen, daß man sich auch veranlaßt sehen kann, den Glasurüberzug des Wetterschutzes wegen zur Anwendung zu bringen. Solchergestalt müßte aber die gesammte Außenfläche glasirt sein, wogegen unsere ästhetische Empfindung ganz entschieden protestiren würde. Nur auf Dachflächen etwa, welche sich dem Auge mehr entziehen, für welche deshalb die practischen Rücksichten lediglich in Wirksamkeit treten können, würde die Verwendung glasirter Ziegel in großer Fläche zulässig erscheinen.

Als ganz besonders anwendbar für die Außenarchitektur zeigen sich die oligochromen Zeichnungen, welche aus zwei bis drei verschiedenen Thonfarben in der Fläche hergestellt werden, nach Art des Sgraffito oder in kleineren Platten nach Art der Mettlacher Fliesen; es lassen sich mit diesen einfachen Mitteln überraschende Wirkungen erzielen, zart und kräftig zugleich. Jedoch muß dafür gesorgt werden, daß die Thontafeln, welche die Zeichnung enthalten, in völlig haltbarer Weise der Facade eingefügt werden; dann hat eine derartige Incrustation auch constructiv durchaus nichts Bedenkliches. Als selbstverständlich ist es ferner anzusehen, daß die Farbengebung niemals die plastischen Formen überwuchern darf; und in diesen Fehler zu verfallen, liegt ziemlich nahe, vornehmlich wenn der Architekt den Vollziegelbau besonders bevorzugt und dadurch in den Formen beschränkt wird, dennoch aber ein Bauwerk herstellen will, welches einen größeren Reichthum zeigen soll. — Die Möglichkeit, über zahlreiche Farben zu gebieten, hat von jeher die Flächendecoration in der Backsteinarchitektur begünstigt; die Aufgabe, damit Ruhe und Einheit des Ganzen zu verbinden, muß dabei sorgfältig im Auge behalten werden.

Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

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f. Bauausführung in Backstein.

Zum Schlusse dieser Betrachtungen über den Backstein möge nun noch ein Wort über die Methode der Bauausführung hinzugefügt werden, insofern diese eine andere ist, als im Hausteiubau.

Als ein wesentlicher Unterschied muß in dieser Beziehung hervorgehoben werden, wie die Terracotten, auch wenn sie in größeren Stücken hergestellt werden, doch immerhin ein so geringes Gewicht zeigen, daß schwere und kostspielige Rüstungen, wie sie der Quaderbau nöthig macht, fortfallen können. — Dagegen wird für den ausführenden Architekten im Backsteinbau eine ganz andere und viel sorgfältigere, frühzeitigere Disposition erforderlich. — Während die rohen Werksteinblöcke auf der Baustelle selbst unter den Augen des leitenden Baumeisters bearbeitet werden, während weiche Steine sehr oft in einer rohen Bossenform vermauert werden und dann erst am Bauwerke selbst die letzte Bearbeitung erhalten, müssen die Baustücke aus gebranntem Thon vollständig fertig auf die Baustelle kommen, und ist jedes Nacharbeiten an denselben ausgeschlossen; so wie sie sind, müssen sie bleiben und der Maurer muß sie passend versetzen können. Die Eintheilung der einzelnen Werkstücke muß daher lange vorher mit größter Sorgfalt von dem Architekten bewirkt werden und nachträgliche Aenderungen lassen sich nur schwer ausführen, denn dieselben erfordern viel Zeit: der Thonwaarenfabrik muß für die Herstellung größerer Stücke immer mindestens 1 ½ bis 2 Monate Frist gegeben werden, weil Formen, Trocknen, Brennen sich nicht wohl in kürzerer Zeit bewirken lassen.

Was die Ausführung der Maurerarbeiten betrifft, so kann man sogleich bei dem Aufführen der Mauern auch Verblendung, Gesimse, Umrahmungen anbringen. Man setzt dabei jedoch die feineren Gliederungen zu leicht den Beschädigungen aus, welche bei der Bauausführung schwer zu vermeiden sind. Daher hat die Praxis immer größere Ausdehnung gewonnen, sowohl Verblendung als plastisch hervortretende Gliederungen erst nachträglich anzubringen, den Mauerkörper aber vorher hochzuführen, ebenso das Dach vorher aufzusetzen. — Wird zum späteren Einfügen der Verblendung, der Gesimse etc. dann ein rasch bindender Mörtel verwendet, welcher das nachträgliche Setzen auf ein Minimum reducirt, so fällt jedes Bedenken in constructiver Beziehung fort, sofern die Einbindung in das Mauerwerk nur in genügender Tiefe erfolgt ist.

Unter Umständen kann es vortheilhaft sein, die hohlen Räume der Baustücke auszufüllen, entweder um die Widerstandsfähigkeit gegen Druck zu erhöhen, oder um das Eigengewicht des Stückes zu vergrößern. Die Druckfestigkeit indessen wird man durch Ausfüllung viel weniger zu erhöhen vermögen, als durch Verstärkung der Wandungen und durch Einsetzen von Stegen aus gebranntem Thon, wie dies früher bereits besprochen ist. Dagegen kann es in manchen Fällen zweckmäßig sein, durch Ausfüllen das Eigengewicht zu vergrößern, namentlich für ganz freistehende Endigungen, wenn dieselben nicht durch Verankerung fester gehalten werden sollen. Ebenso kann es in weiter ausladenden Gesimsen gerathen erscheinen, denjenigen Theil der Baustücke, welcher innerhalb des Mauerwerks zu liegen kommt, durch Ausfüllung schwerer zu machen, um den Schwerpunkt weiter nach hinten zu rücken.

Die Ausfüllungsmasse muß aus einem erhärtenden Mörtel oder aus Gußmauerwerk bestehen. Gewöhnlich verwendet man dazu eine Concretmasse aus Mörtel und kleinen Steinstücken, erzielt damit indessen nicht immer zufriedenstellende Resultate. Ganz besonders muß man vermeiden, eine Mörtelmasse in Anwendung zu bringen, welche bei der Erhärtuug aufquillt, wie Portlandcement und Gyps. Namentlich der erstere ist gefährlich, besonders dann, wenn bei der Mörtelbereitung nicht genügend Wasser zugesetzt wurde. Die Ausdehnung geht dann häufig mit solcher Kraft vor sich, daß selbst sehr starke Thonwandungen zersprengt werden. So ist beobachtet worden, daß mit Portlandcement ausgefüllte Baluster von gebranntem Thone vollständig zerstört wurden; die Scherben fielen ab und der erhärtete Cementkern stellte allein den Baluster dar. Man wende daher zu solchen Ausfüllungen Concret an, welcher mit gewöhnlichem Kalkmörtel zubereitet ist.

Die Besorgniß, daß in den Höhlungen sich Wasser ansammeln könne, welches im Froste sich ausdehnen und das Baustück zerstören möchte, ist unbegründet, so lange die Herstellung der Terracotten correct und aus gutem Materiale erfolgt. Sobald Baustücke verwendet werden, welche Risse zeigen, oder deren Risse mit einem, meistens unhaltbaren Kitt verstrichen sind, hat man freilich eine derartige Zerstörung zu befürchten; das ist aber ein leicht zu vermeidender Fehler, den man für eine gute Ausführung nicht voraussetzen darf, ebensowenig wie die Verwendung rissiger Werksteine. Auch durch die Stoßfugen kann Wasser eindringen, wenn der Fugenmörtel Risse erhält oder auswittert; indessen wird von da aus nicht leicht Wasser in das Innere des hohlen Baustückes gelangen, wenn, wie es gewöhnlich geschieht, dieses letztere mit festen wenn auch durchlöcherten Seitenwänden versehen ist. Als Mörtel zum Versetzen der Terracotten verwendet man am besten eine Mischung aus Kalkmörtel und Portlandcement, welche nicht zu rasch aber doch so schnell erhärtet, daß ein nachtheiliges Setzen nicht mehr stattfindet. — Häufig zeigen sich dann freilich weiße und graue Ausschläge von verschiedenen Salzen, welche sich aus dem Cement ausscheiden; dieselben sind jedoch meistens im Wasser löslich und verlieren sich nach einiger Zeit wieder. Sie sind ganz unschädlich und durchaus nicht auf eine Linie mit den Salpeterausschwitzungen aus schlecht gebrannten, feuchten Ziegeln zu stellen.

Die Fugen sucht man in den Mauerflächen möglichst gleichmäßig zu halten, an solchen Stellen aber, wo sie der architektonischen Form wegen negirt werden müssen, macht man sie möglichst eng. Dabei ist jedoch große Aufmerksamkeit zu beobachten. Man muß vor dem Vermauern die Baustücke einpassen und so eintheilen, daß die Fugen gleichmäßig werden, denn so sicher hat keine Fabrik die Schwindung in der Hand, daß nicht geringe Abweichungen in den beabsichtigten Längen entständen, welche dann durch die Fugen ausgeglichen werden müssen. Dies gilt namentlich auch für die Eintheilung von Friesen und größeren Relieftafeln. Hierbei muß man stets die einzelnen Tafeln so abgrenzen, daß die Muster nicht auffällig von den Fugen durchschnitten werden; es gelingt in den meisten Fällen, die Fugen der einzelnen Tafeln so zu legen, daß sie an beschattete Stellen sich anschließen und dadurch verborgen werden.

Die Berechtigung einer besonderen Backsteinarchitektur.

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g. Zum Schlusse.

Nach allem Vorangegangenen dürfen wir uns wohl zugestehen, daß durch den Backstein als Baumaterial ein eigenthümlicher besonderer Umkreis werklicher und künstlerischer Thätigkeit entstanden ist, welcher ein wichtiges Gebiet des architektonischen Schaffens in sich schließt, und den Anspruch erheben darf, die daraus hervorgegangenen Schöpfungen als künstlerisch ebenbürtig betrachtet zu sehen den aus kostbareren und edleren Materialien errichteten Werken. Sind die typischen Formen, welche die Tradition der Jahrtausende und Jahrhunderte auf uns vererbt hat, auch aus der Bearbeitung des natürlichen Steines hervorgegangen, die Backsteinformen meistens aus diesen abgeleitet und übertragen, so ist doch eine stricte Nachbildung nicht möglich, und die Eigenthümlichkeit des Backsteinmaterials fordert die Bildung neuer, eigenartiger Formen. Dies aber erfüllt den denkenden und schaffensfreudigen Künstler mit besonderer Lust, und es erregt seinen Eifer, die Formenbildung mit den Anforderungen der Aesthetik wie der Technik in Einklang zu bringen. Die Schwierigkeiten, welche die Eigenschaften des plastischen Materials entgegenstellen, werden je länger desto mehr überwunden, ein neues Feld fruchtbringender Thätigkeit ist erschlossen. — Die Leichtigkeit, architektonische Formen im plastischen Thone herzustellen, führt zu einem großen Reichthume in Anwendung derselben, so daß die Gefahr eines Zuviel in dieser Beziehung sehr nahe liegt, während die nicht zu überschreitenden, mäßig großen Abmessungen des einzelnen Werkstückes leicht zu einer Häufung kleiner Formen führt, welche geeignet ist, den würdigen Gesammteindruck eines großen Baues abzuschwächen. Jedoch diese Klippen vermeidet der richtige Tact eines feiner gebildeten Künstlers, und dann treten die Vorzüge des Backsteinbaues, Leichtigkeit der Ausführung, die milde Leuchtkraft seiner warmen natürlichen Farben und der Reichthum seiner polychromischen Farbenscala um so heller an das Licht. —

Als ein besonders glückliches Moment ist auch noch hervorzuheben, daß im Thone eine Feinheit und Zartheit der Formen, namentlich für Reliefdarstellungen erreichbar ist, wie in fast keinem anderen Materiale, etwa Gyps ausgenommen, der aber seiner mangelnden Wetterbeständigkeit wegen für Außenarchitekturen nicht in Betracht kommen kann. Die Wirkung solcher Thonreließ, besonders wenn eine helle und milde Naturfarbe des Thones hinzutritt, ist eine wunderbar zarte, fast ätherische, während auf anderer Seite eine dunklere Färbung des Thones wiederum darauf hinweist, die Formen sehr entschieden und kräftig zu gestalten.

Wird durch die Eigenart des Materials die Thätigkeit des Künstlers für originales Schaffen in hohem Maaße herausgefordert und auf ein fruchtverheißendes Feld hingewiesen, so steht diesem gegenüber die Entwickelung einer Technik, welche sich je länger, um so mehr immer neue Aufgaben stellt und dieselben mit den von der Wissenschaft und Industrie unserer Zeit gebotenen Mitteln zu lösen nicht müde wird. Es ist freilich eine schwierige Technik, namentlich die des Brennens, und zu der Anwendung der von der Wissenschaft errungenen Resultate muß sich immerhin ein mühevolles Probiren mit seinen unausbleiblichen Mißerfolgen und Verlusten gesellen, um endlich glückliche Resultate zu erzielen.

Je mehr aber tüchtige, gebildete Fachmänner sich dieser Technik annehmen, und je mehr ihnen Gelegenheit gegeben wird, sich darin zu bethätigen, dadurch daß die Bauenden und die Architekten sich mit Ernst und Eifer dem Backsteinbau zuwenden, desto sicherer wird das Ziel eines würdigen, die höchste architektonische Schönheit repräsentirenden, eigenartigen Backsteinbaustyles erreicht werden. — Die besten Erfolge auf diesem Gebiete, so Werthvolles auch bereits auf demselben hervorgebracht ist, liegen jedenfalls noch in der Zukunft.
R. Neumann.

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